Die Älteren unter uns werden es noch wissen, früher gab es mal eine große Internetforen-Community. Seit 2015 ist dieser Trend jedoch stark rückläufig. In eine ähnliche Richtung verlief die Entwicklung von Jura-Foren. Nachdem aufgrund der verschärften Haftungsregeln viele Foren schließen mussten, blieb für Jurastudierende praktisch nur noch das Forum von Jurawelt übrig. Chefmoderator ist dort ein Richter am Finanzgericht mit diversen Nebenaktivitäten, u.a. ist er Mitglied beim JPA und Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität in Berlin. Es liegt insoweit nahe, dass das JPA die öffentliche Diskussion auf diesem Forum wenn nicht gar steuert, dann zumindest kontrolliert und beeinflusst.

Anyways, für Referendare gibt es auch ein Forum, das sich bezeichnenderweise „Zur letzten Instanz“ nennt. Dort posten anonym nicht nur Referendare, sondern auch Inhaber kommerzieller Repetitorien. In wieweit dort Troll- bzw. Shillarmeen, oder einfach nur Sockenpuppen unterwegs sind, lässt sich nur erahnen. Neben dem üblichem Erfahrungsaustauch und Hilferufen nach psychischer Unterstützung, finden dort auch ab und zu Grundsatzdiskussionen statt, bei denen natürlich auch von Seiten der Moderation eingegriffen wird, sobald jemand das übliche Mantra von eisernem Willen, 100 Übungsklausuren und Repetitorbesuch anzweifelt. Da man dort den folgenden Zusammenhang nicht posten kann, ohne dass er umgehend gelöscht wird, poste ich ihn hier:

Es gibt beim 2. Staatsexamen zwei Tatsachen und eine – für männliche Kandidaten ernüchternde – Gretchenfrage, an denen niemand vorbeikommt:

1. Laut einer Aussage eines ehemaligen Referenten beim hessischen JPA, liegt der Klausurenschnitt im 2. Staatsexamen seit Jahrzehnten ziemlich stabil bei 5,36 Punkten, der Schnitt im Mündlichen bei 9,06 Punkten. Daran konnten bislang offenkundig auch die besten Vorbereitungsmethoden nichts ändern.

2. Nach einer Studie, die in der LTO besprochen wurde, korreliert die Abiturnote angeblich erwiesenermaßen mit dem IQ der Schüler, und sie korreliert ebenfalls stark mit dem Examensergebnis – bei Männern und bei Frauen, bei Letzteren nur eben auf niedrigerem Niveau. Die Studie gipfelt in der Feststellung, dass Frauen in der anonymen Klausurensituation signifikant schlechter abschneiden. Natürlich schließen die besorgten Verfasser der Studie die extrem beunruhigende Frage an, ob Frauen möglicherweise in den Klausuren irgendwie benachteiligt werden? Die passendere Frage lautet jedoch vielmehr, wo diese Minderleistung ausgeglichen wird. Die abschließenden Gesamtnoten der 2. Staatsprüfung in Hessen zeigen nämlich folgendes Bild:

 

 

Dafür kann es nur eine Erklärung geben: Dass Frauen mit schwächeren Vornoten in der mündlichen Prüfung signifikant besser abschneiden als Männer. Sie schneiden insbesondere bei der für die Justiz exorbitant wichtige Prädikatsquote bis auf die Nachkommastellen soviel besser ab, dass am Ende eine Notenparität besteht. Die Gretchenfrage lautet: Ist dieses Phänomen purer Zufall, oder ist es ein Indiz für gezielte Manipulation (Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG).