Bisweilen stößt man im Internet auf die komischsten „Verschwurbelungstheorien“ zum juristischen Staatsexamen. In diesem Video versucht sich z.B. ein bekanntes Repetitorium an einer Prognose bezüglich der Wahrscheinlichkeit von bestimmten Examensthemen. Zur Info: In Hessen kommt pro Durchgang eine Spezialklausur entweder aus dem Arbeitsrecht, oder aus dem Gesellschaftrecht. Der tolle Examenstipp besteht darin, die Vorbereitung zu gewichten.

Doch wie gut ist diese Empfehlung wirklich?

Rufen wir uns dazu die gezeigte Sequenz in Erinnerung: G-G-G-A-A-A-A-G-A-G-G-G-G-A-G-G-A-G-A-G

An dieser Stelle mache ich zugegeben etwas scheinbar unfaires, ich lasse nämlich, quasi als deux ex machina, Sonderwissen einfließen: In dem Klassiker „Statistical theory and methodology in science and engineering“ von Kenneth A. Brownlee, wird eine relativ einfache Methode vorgestellt, mit der man eine solche Sequenz näherungsweise auf ihre Zufälligkeit testen kann. Dazu setzt man Kennziffern in eine Formel ein, und wenn das Ergebnis größer als 2 oder kleiner als -2 ist, besteht eine 95% Wahrscheinlichkeit, dass die Sequenz nicht zufällig ist. Ab +/- 2.6 geht die Wahrscheinlichkeit sogar gegen 100%.

Dazu benötigen wir 3 Variablen:
m sei die Anzahl der Klausuren im Gesellschaftsrecht = 12
n sei die Anzahl der Klausuren im Arbeitsrecht = 8
u sei die Anzahl der aufeinanderfolgenden gleichartigen Elemente in der Sequenz (G-G-G zählt z.B. als 1) = 11

E(u) = (1+2mn)/(m+n)
V(u) = (2mn(2mn-m-n))/((m+n)^2)(m+n-1)
X = (u+0.5-E(u))/V(u)^(1/2)

Wenn wir diese Zahlen – idealerweise mit Excel – in die Formeln eingeben, erhalten wir für X den Wert 0,43. Die untersuchte Sequenz ist damit mit hoher Wahrscheinlickeit zufällig. Das heißt, der Dezernent im JPA wird vermutlich eine Münze werfen, weil er schon mal etwas von Spieltheorie gehört hat. Auf Lücke zu lernen, wäre – wie auch nicht anders zu erwarten – ziemlich dämlich, aber auch die Gewichtung kann man sich getrost in die Haare schmieren. Nun ist es allerdings so, dass zwischen 60/40 und 50/50 kein exorbitanter Unterschied besteht, deshalb ist der Tipp in etwa so nutzlos, wie Homöopathie.