Nachdem daheim im Eilverfahren mit den Hnterlassenschaften des unsäglichen Vorgängers aufgeräumt wurde, hat sich der Vorstandsvorsitzende der „Westliche Welt AG“ entschlossen, die einzelnen Abteilungsleiter zu besuchen. Es soll angeblich in erster Linie darum gehen, selbige wieder auf Linie zu bringen. Das wiederum heißt, ihnen klar zu machen, was unter dem „Demokratie“ zu verstehen ist. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass sich bei Wahlen der Mehrheitswille durchsetzt, das wäre ja noch schöner, sondern, dass sich eine für geschäftsunfähig erklärte Bevölkerung für die nächsten vier Jahre ihre Betreuer aussuchen darf. Wahlen sind damit nach „westlichem Verständnis“ de facto Vormundschaftssachen. Die Betreuer, die natürlich nur das Beste für die Betreuten im Sinn haben, und nicht die persönliche Bereicherung, werden es schon richten, so wie sie es die letzten 75 Jahren gerichtet haben. Damit das auch so bleibt, wurden Militärbündnisse geschlossen, deren Mitgliedschaft man sich nicht immer aussuchen konnte. Besonders hübsch ist daher die folgende Formulierung:

„Unsere Bündnisse wurden nicht durch Zwang aufgebaut oder durch Drohungen aufrechterhalten. Sie gründen auf demokratischen Idealen, einer gemeinsamen Vision der Zukunft.“

Ob der Vorstandsvorsitzende dies als Scherz gemeint hat, oder ob er aufgrund kongnitiver Defizite nicht mehr ganz so fit in Geschichte ist, weiß ich nicht. Eines weiß ich jedoch mit Sicherheit: Bevor sich diese Visionen einer gemeinsamen Zukunft bilden konnten, mussten einige Menschen ihr Leben lassen. Man hat sie schlichtweg aufgehängt, wie man es aus einem billigen Italo-Western kennt, bis auf Gaddafi, denn der wurde gepfählt. Ferner gibt es da auch noch so sonderbare Foltergefängnisse, wo man mit „Feinden der Demokratie“ angeblich nicht gerade zimperlich umgeht. Bekannt sind solche Institutionen aus Deutschland, Polen, Kuba und dem Irak, aber es gibt noch einige mehr.

Nichts gegen die Amis. meine Mutter hat 40 Jahre lang für die US Army in der Ziviladministation gearbeitet, und ich habe im heutigen Generalkonsulat in Frankfurt einen beträchtlichen Teil meiner Jugend verbacht. Im „Stars und Stripes“ habe ich amerikanische Comics gelesen, in der „Snack Bar“ habe ich jeden Tag einen riesigen Schoko-Milkshake bestellt, und ich habe mich gewundert, warum an den Zimmerdecken mit Stuckeinrahmung so komische Schatten von Kreuzen mit Haken waren. Aus der Sicht eines Grundschülers waren dies wunderschöne Zeiten, aber letztlich wurde ich dann alt genug, um Schlüsselkind zu werden. Man kann sich zwar ewig jung fühlen, aber eines Tages kommt wohl oder übel der Moment, an dem man Verantwortung für sich selbst übernehmen muss. Wie können uns nicht ewig von den USA wie kleine Kinder behandeln lassen, denen man Horrorgeschichten vom bösen Wolf erzählt. Übervorteilen lassen, sollten wir von ihnen uns erst Recht nicht. Wenn Roosevelt Jr. in Großbritannien vorbeischaut, um dort mit Churchill Jr. zu besprechen, wie man die europäische Einigung wirtschaftlich sabotieren kann, denn darum dreht sich der Besuch nämlich auch, sollten wir nicht gute Miene zum bösen Spiel machen. Europa muss erwachsen werden, und das geht nur durch eigene Stärke. Die EU muss sich aus eigener Kraft verteidigen.

P.S.: Eine Anmerkung bezüglich des Bildes vom Betreuer möchte ich noch nachschieben. Ein guter Indikator für die Lebensleistung eines Politikers ist die Anteilnahme der Bevölkerung bei seiner Beerdigung. Adenauer liegt insoweit unschlagbar vorne. Künftig wird man dafür ein „Publikum“ mieten müssen.