Aktuell wird – vermutlich um von der Grundsteuerreform abzulenken – mal wieder eine altbekannte Sau durch’s Dorf getrieben, das Tempolimit. Natürlich fördert Radio FFH diese Kampagne, ganz im üblichen Stil einer naturfreundlichen Berichterstattung, diesmal mit einem Experiment.

Zwar ist die Samplesize sehr winzig, nämlich Eins, aber das Ergebnis lässt sich durchaus sehen. Auf einer Strecke von 200km wurde eine halbe Stunde eingespart, dafür standen am Ende bei der Tankstelle 8 € mehr auf der Rechnung. An dieser Stelle muss man sein Bauchgefühl ausblenden, dass die eigene Zeit – weil scheinbar geschenkt – nichts wert sei. Im Zivilrecht ist das bei der Freizeit auch so, denn die ist nicht kommerzialisierbar, dennoch kostet Sie jede Stunde Ihres Lebens, auch Ihre Freizeit, echtes Geld. Sie müssen irgendwo schlafen, Sie müssen etwas essen, und das Toilettenpapiert gibt es auch nicht umsonst. Während Sie diesen Artikel lesen, laufen im Hintergrund Kosten auf. Während der Arbeitszeit sind das Opportunitätskosten, denn Sie hätten in der Zwischenzeit Geld verdienen können, wenn nicht für sich selbst, z.B. als Selbständiger, dann zumindest für Ihren Arbeitgeber.

Damit wären wir bei der sog. „hourly rate“ angekommen, nämlich Ihrem durchschnittlichen Stundenverdienst. An dieser Stelle bekommt der gesetzlichen Mindestlohn von aktuell 9,19 € als Untergrenze Bedeutung. Das heißt, die hourly rate liegt irgendwo zwischen 9,19 € und x. Wenn das man das so angeht, dann kann man bei den 8 € von oben schon mal mindestens 4,58 € abziehen. Spätestens an dieser Stelle sollten Sie merken, dass das Tempolimit sich direkt in Opportunitätskosten umrechnen lässt. Es gibt einen Punkt, wo ein erzwungener Zeitverlust der Volkswirtschaft schadet, und dieser Punkt ist sehr schnell erreicht. Das heißt, es ist durchaus im Sinn der globalen Konkurrenz, wenn die Bundesrepublik Deutschland freiwillig ihr Arbeitstempo verringert.

Das ist thematisch letztlich nichts anderes, als die auslandsfinanzierten Blockaden von Extinction Rebellion, nur in anderer Form. Langsamer Fahren liegt bekanntlich auf einer Skala zwischen „so schnell wie möglich“ und Stau. Wenn man aufgrund von Verboten in Situationen langsamer fährt, in denen man auch problemlos schneller fahren könnte, dann ist das erwungene Ineffizienz. Sie merken vielleicht, der Haken liegt beim Wörtschen „problemlos“. Das ist der Punkt, wo die Statistiker auf den Plan gerufen werden. Das sind die, die alles über einen Kamm scheren, und für ein generelles Fahrverbot plädieren, weil gar nicht zu fahren statistisch am sichersten ist. Dass dann mit einer Zunahme der häuslichen Unfälle zu rechnen sein dürfte, ist ein anderes Thema.

Kommen wir nun zur wichtigsten Information dieses Beitrags: Der durchschnittliche Stundenlohn eines Anwalts liegt derzeit bei 180 €. Fahrtkosten werden jedoch nach 7003 ff VV RVG gesondert abgerechnet. Bei längerer Fahrtdauer entsteht ein Schaden, aber der wird durch 7005 Nr. 3 VV RVG gedeckelt.

 

Update (14.11.2019): Der Bundestag hat den Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt. Nichtsdestotrotz wird die Forderung einfach mal wiederholt.

Update (27.12.2019): Offenbar hat man beim Spiegel beschlossen die „Themensetzung“ der neuen SPD-Parteivize Esken zu unterstützen und haut heute morgen ernsthaft einen Vergleich zum amerikanischen Recht auf Waffenbesitz raus. Merke: Auf deutschen Autobahnen wird nicht die Grundgesetz gegen eine feindliche Übernahme verteidigt. Dass es bei uns kein Tempolimit gibt, basiert auf dem Verhältnismäßigkeitsprinzip. Es macht seinen keinerlei Sinn, mit 130 km/h vierspurig geradeaus zu fahren, wenn es auch mit 150 km/h ginge. Dort, wo es wirklich gefährlich ist, gibt es ein Tempolimit. Zeit ist Geld!

Update (28.12.2019): SPD-Umweltministerin Schulze übt sich derweil in der Kreation von Euphemismen. Anstelle des gesunden Menschenverstandes, bekommen wir es nun auf einmal mit dem guten Menschenverstand zu tun. Einzig die intendierte Abgrenzung bleibt unscharf. Soll es der Gegenbegriff zum bösen, oder zum schlechten Menschenverstand sein? Diese Frage habe ich mir bereits beim Gute-KiTa-Gesetz gestellt. Das bleibt ein Geheimnis.

Update (30.12.2019): Interessant ist der Vorschlag der Versicherer zu einem Großversuch, denn das klingt erst mal ergebnisoffen. Dass Deutschland im internationalen Vergleich ausnahmsweise ziemlich gut dasteht, und das auch EU-weit nicht neu ist, fiele dabei jedoch unter den Tisch. Wenn man sich die Vergleichszahlen anschaut, sollten sich die anderen eigentlich an uns orientieren, aber das wäre natürlich ein Unding. Gut soll es sein, nicht faktenbasiert.

Update (24.01.2020): Nun meldet sich auch noch der ADAC zu Wort. Dass dieser Verein der alten weißen Männer noch nicht von Aktivisten unterwandert, zersetzt und aufgelöst wurde, überrascht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Update (27.02.2020): Laut Tagesschau haben wir so wenig Verkehrstote, wie noch nie. Dafür erwischt es Radfahrer leider neuerdings umso häufiger.