Im 1891 starb der italienische Kunsthistoriker Giovanni Morelli. Bekannt wurde er für die Entlarvung von Kunstfälschung. Seine Idee bestand darin, aus nebensächlich scheinenden Details, wie z.B. der Form von Ohrmuscheln, jedem Künstler eine seigene Handschrift zuzuordnen. Diese Vorgehensweise war damals revolutionär, und soll z.B. Athur Conan Doyle sie als Vorlage für die Sherlock Holmes Romane gedient haben.

Im 19. Jahrhundert war die Kriminalistik der neuste Schrei. Durch wissenschaftliche Methoden, z.B. dem Nachweis von Arsen, oder dem Abgleich von Fingerabdrücken, konnte man auf einmal Fälle aufklären, die zuvor wie perfekte Verbrechen erschienen. Richtig populär wurde Kriminalistik erst durch die berühmte Kunstfigur des smarten britischen Privatdetektivs mit dem auffälligen Hut und der Geige.

Aus dieser Zeit stammen auch die Ursprünge der deutschen Kriminalistik. Der Österreicher Hans Gross schreib im Jahre 1893, dem Jahr als Sherlock Homes seinen letzten Fall löste, das „Handbuch für Untersuchungsrichter“, das seither als Standardwerk der Kriminalistik galt und in den USA vom FBI übernommen wurde. Aus heutiger Sicht mag das Buch mit seinen auf Vorurteilen basierenden Ermittlungshypothesen merkwürdig wirken. Aber letztlich war es die kriminalistische Erfahrung der damaligen Zeit. Nur weil mittlerweile vieles anders ist, hat das für die damalige Zeit nichts bedeuten. Nichts desto trotz sah man es in den 70er Jahren als nötig an, das Buch zu überarbeiten und nicht mehr zeitgemäße Passagen zu streichen. Diese Arbeit übernahm der Frankfurter Professor Geerds, der sich im Vorwort konkludent dafür entschuldigte, dass vom Original leider kaum noch etwas übrig geblieben sei.

Was würden Giovanni Morelli, Sherlock Holmes und Hans Gross aus dem Titelbild dieses Artikels schließen?

Zu sehen sind dort drei Männer, ein Hauptakteur und zwei Nebenakteure, die sonderbar gekleidet sind und eine ungewöhnliche Haartracht zur Schau stellen. Auf den ersten Blick erscheinen die drei Personen wie eine Gruppe aus Waldschrat, Esoteriker und Redneck. Einer trägt eine rote Mütze, mit der man ihm leicht einem politischen Lager zuordnen kann. Man darf realistisch unterstellen, dass es sich bei allen drei Personen um Aktivisten handelt.

Was wird der Hauptakteur wohl mit seinem Auftritt bezweckt haben? Nach welcher Handschrift sieht das aus?

Sicher kann man dabei nie sein, aber absolute Sicherheit ist auch nicht erforderlich. Maßstab ist die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, oder anders formuliert, wenn kein vernünftiger Mensch mehr daran zweifelt. Gemessen daran, erscheint mir die Analyse in dem Artikel etwas vorschnell zu sein. Es ist in den USA ein typisches Phänomen, in Sportstadien durch außergewöhnliches Verhalten aufzufallen, um so ins Fernsehen zu kommen. Genauso könnte es sich hier auch um einen Aktivisten in eigener Sache handeln, der durch seinen zirkusreifen Auftritt in die Medien kommen wollte.