Was ist eigentlich so faszinierend an Fußball? Erwachsene Männer laufen einem Ball hinterher, und wenn er in einen Kasten über eine Linie befördert wurde, jubeln Millionen von Menschen im Stadion und an ihren Fernsehschirmen. Was dort vorgeführt wird, ist Kollektivismus in Reinform. Die Mannschaft (neudeutsch: „Team“) zählt, nicht das Individuum. Für den Erfolg der Gruppe stellt sich der Einzelne in den Hintergrund und gibt sein Bestes. Das reißt alle mit, selbst wenn sie das Spiel alleine in ihrer Wohnschlafkammer schauen, denn es bedient menschliche Ur-Instikte. Es ist der Rudelinstinkt bei der Jagd.

Fußball schafft es, etwas zu erreichen, was ansonsten komplett aus der Gesellschaft verschwunden ist: Spieler und Fans werden zum Kollektiv.

Wenn allerdings jemand auf die Idee kommt, die ganze Bevölkerung als Kollektiv zu verstehen, das gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet, dann ist das böse und muss sofort verhindert werden. Es muss sogar verhindert werden, wenn fast die gesamte Bevölkerung – abzüglich der üblichen 5%, die immer gegen alles sind – dafür ist. Wenn doch fast alle dafür sind, wer bleibt dann noch übrig, um es zu verhindern? Dritte bleiben übrig, im Zweifel der Rest der Welt.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.