Wie dieser kuriose Fall zeigt, schallt es manchmal stärker aus dem Wald heraus, als in ihn hineinschallt.

Hat der Verteidiger hier die Grenzen der Notwehr überschritten? Ich kenne die Akte nicht, aber ich kenne den „Kirschbaum-Fall“ des Reichsgerichts. Dort hatte jemand zur Verteidigung gegen bereits fliehende Kirschendiebe die Schrotfline zum Einsatz gebracht. Letztlich ging es dort um die Gegenwärtigkeit des Angriffs, die bei einer Flucht zweifelhaft ist, aber stellen wir uns einfach mal vor, die Diebe wären auf frischer Tat ertappt worden. Auch in einem solchen Fall wäre der Einsatz einer Schusswaffe zur Verteidigung eines geringwertigen Rechtsguts völlig unverhältnismäßig, und daher nicht geboten.

Auf die Gebotenheit scheinen auch die Ermittlungen im Ausgangsfall abzustellen. Ich möchte jedoch an dieser Stelle dezent auf § 33 StGB hinweisen, der Regelung zum sog. „Notwehrexzess“. Heutzutage dürfte es gar nicht so leicht sein, von Unbekannten in der Bahn angegriffen zu werden, und dabei nicht in Furcht und Schrecken zu geraten. In diesem Fall wäre es vermutlich ein grober Fehler, die Aussage zu verweigern. Dennoch sollte vorher ein Anwalt konsultiert werden. Der gröbste Fehler, den Beschuldigte in Strafverfahren übrigens relativ oft machen, ist der Versuch, die „Sache endlich klarzustellen“.