{"id":54305,"date":"2026-07-02T11:27:21","date_gmt":"2026-07-02T09:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/?p=54305"},"modified":"2026-07-02T13:40:29","modified_gmt":"2026-07-02T11:40:29","slug":"zur-pruefung-im-2-staatsexamen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/zur-pruefung-im-2-staatsexamen\/","title":{"rendered":"Zur Pr\u00fcfung im 2. Staatsexamen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Weil quasi alle Jahre wieder <a href=\"https:\/\/t1p.de\/22req\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorschl\u00e4ge zur Reform des zweiten juristischen Staatsexamens<\/a> gemacht werden, wo insbesondere die Sinnhaftigkeit der Pr\u00fcfungsleistungen bezweifelt wird, m\u00f6chte ich dazu ein paar Anmerkungen machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Aktenvortrag<\/strong><br \/>\nJeder Referendar, mit Ausnahme der Bayern, muss sich im Laufe der Ausbildung mit dem sog. &#8222;Aktenvortrag&#8220; auseinandersetzen. In der Rolle des Berichterstatters muss man einer Kammer, oder einem Senat, einen L\u00f6sungsvorschlag unterbreiten, wobei es insbesondere auf die Form ankommt, vergleichbar zum korrekten Versma\u00df im Mittelalter. Diese h\u00f6lzern wirkende Darstellung ist unter Kollegen, die hinterher gemeinsam in der Kantine an einem Tisch sitzen, nat\u00fcrlich v\u00f6llig praxisfremd. V\u00f6llig realit\u00e4tsfremd wird die Geschichte jedoch beim Anwaltsvortrag. Ein selbstst\u00e4ndiger Anwalt, der in seiner Kanzlei tagt\u00e4glich als Einzelk\u00e4mpfer unterwegs ist, h\u00e4lt keine Anwaltsvortr\u00e4ge vor dem Spiegel, es sei denn er leidet an einer ausgepr\u00e4gten Pers\u00f6nlichkeitsspaltung. Selbst in einer Soziet\u00e4t, wo mehrere Anw\u00e4lte denselben Fall bearbeiten, gibt es keine zwingenden Formalia. Wenn ein Anwalt seinen Vortrag nicht mit &#8222;Ich berichte \u00fcber&#8230;&#8220; er\u00f6ffnet, ist das auch kein Grund, der eine verhaltensbedinge oder gar eine personenbedingte K\u00fcndigung (Minderleister) rechtfertigen k\u00f6nnte. Last but not least ist der Anwaltsvortrag schon allein deshalb nicht f\u00fcr eine Pr\u00fcfung geeignet, weil ein Anwalt grunds\u00e4tzlich jedes Mandat ablehnen kann (&#8222;freie Anwaltsschaft&#8220;). Das mag zwar im Endeffekt zu Null Punkten auf dem Konto f\u00fchren, aber das ist sein Problem. Insoweit kann ihm keine Pr\u00fcfungskommission reinreden, auch die Anwaltskammer. Die wird allenfalls aktiv, wenn der Verm\u00f6gensverfall droht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Die strafrechtliche Urteilklausur<\/strong><br \/>\nWas bei der strafrechtlichen Urteilsklausur immer wieder \u00fcbersehen wird, ist der &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/c8xfc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesetzliche Richter<\/a>&#8222;. Das hei\u00dft, die Leistung des Pr\u00fcfungskandidaten kann im Endeffekt ausschlie\u00dflich unter revisionsrechtlichen Aspekten gepr\u00fcft werden. Unter keinen Umst\u00e4nden darf der Pr\u00fcfer seine Rechtsansicht zum Ma\u00dfstab machen. Tricky wird die Sache insbesondere, wenn der Pr\u00fcfungskandidat auf Basis seiner(!) Beweisw\u00fcrdigung in der Rolle des gesetzlichen Richters(!) tats\u00e4chliche Feststellungen trifft, die den Fall rechtlich in eine v\u00f6llig andere Richtung drehen, wie sie in der Musterl\u00f6sung nicht vorgesehen ist. Beispielsweise glaubt er der Einlassung des Angeklagten nicht, weil er sie f\u00fcr eine Schutzbehauptung h\u00e4lt und das auch begr\u00fcndet. Sp\u00e4testens an dieser Stelle wird vom Pr\u00fcfer, als Einzelperson, die Entscheidungskraft eines gesamten OLG- bzw. BGH-Senats abverlangt, womit wir wieder beim Aktenvortrag w\u00e4ren, der die Kollegen \u00fcberzeugt, oder auch nicht. Die Kollegen sind in diesem Fall der Zweitkorrektor. Das alles w\u00e4re vielleicht noch vertretbar, wenn die Korrektoren selbst OLG- oder BGH-Richter w\u00e4ren. Das sind sie aber nur in den seltensten F\u00e4llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Rede, kurzer Sinn: Der Anwaltsvortrag, wie auch die Anwaltsklausur, sind nicht f\u00fcr eine Pr\u00fcfung geeignet, weil sie dem Grundprinzip der freien Anwaltschaft widersprechen. Niemand kann einem freien Anwalt ein Mandat aufzwingen, Beratungshilfemandate mal au\u00dfen vor. Auch die strafrechtliche Urteilsklausur ist pr\u00fcfungstechnisch ein Fremdk\u00f6rper, weil der gesetzliche Richter den Sachverhalt feststellt, nicht der Korrektor, oder das Pr\u00fcfungsamt. Im Zivilrecht ist dies nicht ganz so problematisch, weil hier der &#8222;Beibringungsgrundsatz&#8220; gilt. Was bleibt dann noch \u00fcbrig? Die strafrechtliche Anklage, denn Staatsanw\u00e4lte sind weisungsgebunden, und insbesondere die <a href=\"https:\/\/t1p.de\/twmyk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zivilrechtliche Relation<\/a>, mit der die Arbeitstechnik des Bewerbers zum Richteramt, denn nur darum geht es in der Sache, abgepr\u00fcft wird. Wie war es fr\u00fcher, <a href=\"https:\/\/t1p.de\/5bpwm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">also ganz fr\u00fcher<\/a>? Die Kandidaten fertigten eine Relation und wurden m\u00fcndlich gepr\u00fcft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der ganzen Geschichte darf ein Aspekt jedoch nicht \u00fcbersehen werden: Bei einer Pr\u00fcfung, mit der ein Ranking erzeugt werden soll, das die Basis der Bestenauslese bildet, sind die Inhalte sekund\u00e4r. Es kommt einzig auf das Ergebnis an. Ist dieses Ranking brauchbar, um die Personen zu identifizieren, denen man in Deutschland den Richterberuf anvertrauen kann, oder nicht? Die Antwort ist evident: Es ist nat\u00fcrlich brauchbar. Die Opfer dieser &#8222;Pr\u00fcfung&#8220;, die trotz vorhandener Bef\u00e4higung aussortiert wurden, sind zu verschmerzen. Die werden als Vorgangsnummer an die Agentur f\u00fcr Arbeit weitergereicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil quasi alle Jahre wieder Vorschl\u00e4ge zur Reform des zweiten juristischen Staatsexamens gemacht werden, wo insbesondere die Sinnhaftigkeit der Pr\u00fcfungsleistungen bezweifelt wird, m\u00f6chte ich dazu ein paar Anmerkungen machen. 1. Der Aktenvortrag Jeder Referendar, mit Ausnahme der Bayern, muss sich im Laufe der Ausbildung mit dem sog. &#8222;Aktenvortrag&#8220; auseinandersetzen. 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Staatsexamen - Rechtsanwalt Markus Domanski","description":"Weil quasi alle Jahre wieder Vorschl\u00e4ge zur Reform des zweiten juristischen Staatsexamens gemacht werden, wo insbesondere die Sinnhaftigkeit der Pr\u00fcfungsleistun"},"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-54305","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sonstiges"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54305"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54323,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54305\/revisions\/54323"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/media\/295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}