{"id":4834,"date":"2019-07-26T11:25:28","date_gmt":"2019-07-26T09:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/?p=4834"},"modified":"2021-07-15T13:46:45","modified_gmt":"2021-07-15T11:46:45","slug":"inkasso-juslegal-fuer-jp-trading-enterprises-ug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/inkasso-juslegal-fuer-jp-trading-enterprises-ug\/","title":{"rendered":"Inkasso: Juslegal f\u00fcr JP Trading Enterprises UG"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Rechtsanwaltsgesellschaft JUSLEGAL mbh betreibt aktuell das Inkasso f\u00fcr die Fa. JP Trading Enterprises UG. Es geht dabei offenbar um den Kauf von Software bzw. von Softwarelizenzen auf der Internetplattform Amazon. Kunden wurden nach Abschluss der Transaktion vom Verk\u00e4ufer, der Fa. JP Trading Enterprises, angeschrieben, es sei aufgrund eines internen Fehlers zu einer R\u00fcckbuchung des Kaufpreises gekommen. Es wurde h\u00f6flich darum gebeten, die Summe innerhalb von drei Werktagen direkt auf das Konto des Verk\u00e4ufers zu \u00fcberweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich \u00fcber diesen &#8222;Durchgriff&#8220; wunderte, Amazon kontaktierte, und ansonsten unt\u00e4tig blieb, d\u00fcrfte Post von besagter Rechtsanwaltsgesellschaft mbh erhalten haben. Das hier vorliegende Schreiben gibt durchaus Anlass zur Verwunderung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4836 aligncenter\" src=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-1-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-1-214x300.jpg 214w, https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-1-768x1078.jpg 768w, https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-1-729x1024.jpg 729w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn wird die Bevollm\u00e4chtigung mit &#8222;Ehrenwort&#8220; versichert. Diesbez\u00fcglich sollte man den <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__174.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00a7 174 BGB<\/a> kennen, und wissen, dass dem &#8222;Ehrenwort&#8220; in Deutschland sp\u00e4testens seit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edelmannfall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Edelmann-Fall<\/a> des Reichsgerichts keine juristische Bedeutung zukommt. Als n\u00e4chstes wird die Behauptung in den Raum gestellt, der Adressat des Schreibens sei in Verzug. Das ist jedoch lediglich eine Rechtsansicht, keine Tatsache. Dann wird ein Gegenstandswert genannt, den die <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/rvg\/anlage_2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anlage 2 zum RVG<\/a> nicht kennt. Wenigstens hat man es im Ergebnis geschafft, mit Ausnahme der Umsatzsteuer, korrekt abzurechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der zweiten Seite wird das Schreiben jedoch wirklich bedenklich, und zwar nicht zur zivilrechtlich, sondern auch strafrechtlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4833 aligncenter\" src=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-2-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-2-214x300.jpg 214w, https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-2-768x1078.jpg 768w, https:\/\/ra-domanski.de\/page\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Seite-2-729x1024.jpg 729w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zitat des \u00a7 286 Abs. 2 BGB endet n\u00e4mlich nicht, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__286.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wie das Original<\/a>, mit einem Semikolon, sondern mit einem Punkt. Man muss nicht p\u00e4pstlicher sein als der Papst, k\u00f6nnte man an dieser Stelle einwenden. So einfach ist es jedoch nicht, denn hier steht ein versuchter <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__263.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Betrug<\/a> im Raum. Zumindest ist das objektive Tatbestandsmerkmal einer T\u00e4uschung \u00fcber Tatsachen erf\u00fcllt. Dadurch entsteht auch ein Irrtum, denn der Leser glaubt, der Satz sei an dieser Stelle zuende. In Wirklichkeit geht der Satz jedoch noch weiter. Es kommt n\u00e4mlich die Passage mit der Ausnahme, die hier rein zuf\u00e4llig auch noch einschl\u00e4gig ist. K\u00e4me es aufgrund des Irrtums zu einer Zahlung, so l\u00e4ge auch ein Schaden vor, weil insoweit kein Anspruch besteht. Nat\u00fcrlich muss f\u00fcr einen versuchten Betrug auch noch ein Tatentschluss vorliegen. Es k\u00f6nnte nat\u00fcrlich alles ein \u00e4rgerliches Versehen gewesen sein. Man wei\u00df es nicht&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zivilrechtliche Frage steht zudem im Raum, ob dieses Schreiben rechtliche Konsequenzen hat. Selbst wenn die Anwaltskosten nicht zu ersetzen sind, k\u00f6nnte hier n\u00e4mlich immer noch eine wirksame Mahnung bez\u00fcglich des Teilbetrages in H\u00f6he von 8,32 \u20ac vorliegen. Wenn dem so w\u00e4re, k\u00f6nnte im Anschluss ein Mahnverfahren eingeleitet oder Klage erhoben werden, wogegen man sich nicht mehr durch ein <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/zpo\/__93.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sofortiges Anerkenntnis<\/a> verteidigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle wird die Geschichte interessant, denn wir haben es mit dem Problem der &#8222;Mahnung unter Zuvielforderung&#8220; zu tun. Dazu f\u00fchrt der BGH (<a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=34600&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Urteil vom 05.10.2005 &#8211; X ZR 276\/02<\/a>) folgendes aus:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">&#8222;Die Pr\u00fcfung, ob eine Zuvielforderung zur Unwirksamkeit einer Mahnung f\u00fchrt, erfordert eine unter Ber\u00fccksichtigung aller Umst\u00e4nde des Einzelfalls nach Treu und Glauben vorzunehmende W\u00fcrdigung, ob der Schuldner die Erkl\u00e4rung als Aufforderung zur Bewirkung der tats\u00e4chlich geschuldeten Leistung verstehen muss und der Gl\u00e4ubiger auch zur Annahme der gegen\u00fcber seinen Vorstellungen geringeren Leistung bereit ist.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Umst\u00e4nde des Einzelfalls&#8220; bedeutet, dass es mal so ausgehen kann, und mal so. Mit Treu und Glauben bez\u00fcglich des Inkassoanwalts d\u00fcrfte es hier zwar schwierig werden, aber vermutlich wird der Gl\u00e4ubiger mit seinen 8,32 \u20ac zufrieden sein. Das h\u00e4ngt letzlich von der Tagesform des jeweiligen Gerichts ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher l\u00e4sst sich in dem vorliegenden Fall folgendes raten:<br \/>\n1. Die Mahnung wegen fehlender Originalvollmacht <strong>unverz\u00fcglich<\/strong> zur\u00fcckweisen. Damit sollte vorerst Ruhe im Karton sein.<br \/>\n2. Den R\u00fcckforderungsbetrag (hier 8,32 \u20ac) fristgem\u00e4\u00df an JP Trading \u00fcberweisen, zumindest sofern Amazon keine Zusicherungen abgegeben hat.<br \/>\n3. Die Erfolgschancen einer Negativen Feststellungklage bez\u00fcglich der geltend gemachten Anwaltskosten pr\u00fcfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rechtsanwaltsgesellschaft JUSLEGAL mbh betreibt aktuell das Inkasso f\u00fcr die Fa. JP Trading Enterprises UG. Es geht dabei offenbar um den Kauf von Software bzw. von Softwarelizenzen auf der Internetplattform Amazon. Kunden wurden nach Abschluss der Transaktion vom Verk\u00e4ufer, der Fa. JP Trading Enterprises, angeschrieben, es sei aufgrund eines internen Fehlers zu einer R\u00fcckbuchung des<span class=\"excerpt-more\"> [&#8230;]<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Inkasso: Juslegal f\u00fcr JP Trading Enterprises UG - Rechtsanwalt Markus Domanski","description":"Die Rechtsanwaltsgesellschaft JUSLEGAL mbh betreibt aktuell das Inkasso f\u00fcr die Fa. JP Trading Enterprises UG. 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