{"id":46573,"date":"2023-05-29T08:36:11","date_gmt":"2023-05-29T06:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/?p=46573"},"modified":"2023-05-29T11:42:14","modified_gmt":"2023-05-29T09:42:14","slug":"klageschrift-von-chatgpt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/klageschrift-von-chatgpt\/","title":{"rendered":"Klageschrift von ChatGPT"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In den USA ist ein <a href=\"https:\/\/t1p.de\/0sop3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anwalt aufgeflogen<\/a>, der seine Klageschrift offenbar mit Hilfe von ChatGPT erstellt hat. Dazu muss man wissen, dass das amerikanische Zivilrecht auf Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen beruht (Case Law). Die Kunst eines amerikanischen Anwalts besteht u.a. darin, den Fall zu finden, der eine m\u00f6glichst gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit zwischen Sachverhalt und Wunschergebnis aufweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland sind die Gerichte in der Theorie zwar nicht an Pr\u00e4judizien gebunden, in der Praxis jedoch schon. Die Instanzgerichte entscheiden F\u00e4lle grunds\u00e4tzlich wie die Obergerichte ihres entsprechenden Gerichtsbezirks. So gehen die Richter sicher, dass ihre Entscheidungen h\u00f6chstwahrscheinlich nicht kassiert werden. Wenn die Dezernatsf\u00e4lle reibungslos abgearbeitet wurden, gibt es ein H\u00e4kchen in der Personalakte in der Rubrik &#8222;Zuverl\u00e4ssigkeit&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entscheidungen der Gerichte werden bei uns in elektronischen Datenbanken gespeichert und vereinzelt auch in Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht. Dies wiederum erm\u00f6glicht, dass Anw\u00e4lte die Entscheidungen der Gerichte mit hinreichender Sicherheit prognostizieren k\u00f6nnen, sofern sie ihre Hausaufgaben machen. Das Beste, was einem Anwalt passieren kann, ist, dass er beim BGH abschreiben kann. Das macht er jedoch nicht mit ChatGPT, sondern mit Cut&amp;Paste unter Angabe der Quelle. Diese Quelle hebt er idealerweise so stark hervor, dass sie nicht mehr zu \u00fcbersehen ist. Kritisch wird es hingegen, wenn Anw\u00e4lte keine Urteile zitieren, sondern die Privatmeinung irgendwelcher Professoren, die sie in der Literatur gefunden haben. Das hei\u00dft \u00fcbersetzt, dass sie vermutlich eine sog. &#8222;Mindermeinung&#8220; vertreten und damit h\u00f6chstwahrscheinlich vor Gericht unterliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem des amerikanischen Kollegen besteht nicht darin, dass er &#8222;unerlaubte Hilfsmittel&#8220; verwendet hat, denn wie er seine Klageschrift formuliert, ist seine Sache, sondern, dass er die Urteilszitate der KI nicht gepr\u00fcft hat. Das ist pure Schlampigkeit, die selbstverst\u00e4ndlich die Anwaltshaftung ausl\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im deutschen Rechtsraum d\u00fcrfte ChatGPT bei Klageschriften keine Anwendung finden, weil die Struktur der Schrifts\u00e4tze dies auch nicht erfordert. Den Sachverhalt kann eine KI nicht schildern, weil sie ihn nicht kennt und zumindest bislang auch nicht zwischen erheblichem und unerheblichem Vorbringen unterscheiden kann. F\u00fcr die Rechtsausf\u00fchrungen, die sich im Regelfall aufgrund der Trivialit\u00e4t von Alltagsf\u00e4llen er\u00fcbrigen, braucht man sie nicht. KI kann allenfalls zur Urteilsrecherche in den juristischen Datenbanken eingesetzt werden, was jedoch aufgrund fehlender Schnittstellen aktuell nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA ist ein Anwalt aufgeflogen, der seine Klageschrift offenbar mit Hilfe von ChatGPT erstellt hat. Dazu muss man wissen, dass das amerikanische Zivilrecht auf Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen beruht (Case Law). Die Kunst eines amerikanischen Anwalts besteht u.a. darin, den Fall zu finden, der eine m\u00f6glichst gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit zwischen Sachverhalt und Wunschergebnis aufweist. 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