{"id":41090,"date":"2022-06-22T07:30:15","date_gmt":"2022-06-22T05:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/?p=41090"},"modified":"2023-12-05T11:47:10","modified_gmt":"2023-12-05T09:47:10","slug":"kunst-ist-undefinierbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/kunst-ist-undefinierbar\/","title":{"rendered":"Kunst ist undefinierbar"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Heute mal wieder ein Beitrag zur Kunst, die eigentlich die Aufgabe hat, die Menschen zu erfreuen. Leider wird sie seit unvordenklicher Zeit von der Politik instrumentalisiert, was sich u.a. bei Denkm\u00e4lern zeigt. Ein Denkmal ist ein Herrschaftssymbol, denn der Aufsteller erzwingt, dass man sich sein Denkmal anschauen muss, es sei denn, man l\u00e4uft mit geschlossenen Augen gegen die n\u00e4chste Wand. Heutzutage m\u00fcssen sich alle &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/56355\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">moderne Kunst<\/a>&#8220; anschauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es jedoch so, dass nicht nur Herrscher ihre Kunstwerke aufstellen lassen, auch die Beherrschten haben dieses Medium f\u00fcr sich entdeckt, z.B. in der politischen Karrikatur und in Spottgedichten. Deshalb gibt es auch seit jeher Versuche, bestimmte Kunst zu verbieten. Thematisch verarbeitet wird dies in einem Klassiker der deutschen Filmkunst, dem Gustaf Gr\u00fcndgens Film &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/40ll\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tanz auf dem Vulkan<\/a>&#8220; aus dem Jahre 1938, in dem es um einen franz\u00f6sischen <a href=\"https:\/\/t1p.de\/5j3ht\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Theaterdarsteller<\/a> geht, der auf der <a href=\"https:\/\/t1p.de\/2h85v\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fchne<\/a> zur <a href=\"https:\/\/t1p.de\/b5jn9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Revoultion<\/a> aufrief. Bekannt wurde insbesondere sein Lied &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/v03is\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grundgesetz ist die <a href=\"https:\/\/t1p.de\/vq6k\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunstfreiheit<\/a> nicht explizit unter eine Schranke gestellt. Das hei\u00dft jedoch nicht, dass sie unbeschr\u00e4nkt w\u00e4re. Sollte sie mit anderen Grundrechten kollidieren, ist eine <a href=\"https:\/\/t1p.de\/3l9y\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abw\u00e4gung<\/a> durchzuf\u00fchren. Wichtig ist insoweit auch die Systematik: W\u00e4hrend die Lehre in Art. 5 Abs. 3 Satz 2 GG unter den Vorbehalt der Verfassungstreue gestellt ist, gilt dies f\u00fcr die Kunst nicht. Bereits den M\u00fcttern und V\u00e4tern des Grundgesetzes war klar, dass K\u00fcnstler m\u00f6glicherweise gegen ihr geistig Kind opponieren werden, und sie haben dies billigend in Kauf genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kam es dann auch, dass das Bundesverfassungsgericht sich mit dem Kunstbegriff auseinanderzusetzen hatte, denn nur die Kunst ist frei, nicht die Meinung, die bekanntlich unter dem Vorbehalt der &#8222;allgemeinen Gesetze&#8220; (= StGB) steht. Das Bundesverfassungsgericht entschied sich damals in der <a href=\"https:\/\/t1p.de\/slz7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mephisto-Entscheidung<\/a> aus dem Jahre 1971 f\u00fcr einen <a href=\"https:\/\/t1p.de\/gayzr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weiten Kunstbegriff<\/a>, der sich jeglicher Definition entzieht, denn wenn es eine solche Definition g\u00e4be, k\u00f6nnte man sie f\u00fcr Verbote heranziehen. In dem Fall ging es um eine Diffamierung. Um wessen Diffamierung? Um die Gustaf Gr\u00fcndgens, der bekanntlich unter den Nazis Karriere gemacht hatte. Seine Person wurde in dem Roman &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/h3uny\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mephisto &#8211; Roman einer Karriere<\/a>&#8220; herabgew\u00fcrdigt. Die Rechtslage war eindeutig: Der Erbe konnte Unterlassung gem. \u00a7\u00a7 1004, 823 Abs. 1 BGB verlangen. Er hatte jedoch seine Rechnung ohne die Superrevisionsinstanz in Karlsruhe gemacht. Die Richter und Richterinnen in roten Roben entschieden den Fall nat\u00fcrlich ganz im Sinne des <a href=\"https:\/\/t1p.de\/e2i0t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Potsdamer Abkommens<\/a>. Damit musste das Pers\u00f6nlichkeitsrecht von Gustaf Gr\u00fcndgens letztlich hinter dem Recht auf Herabw\u00fcrdigung von <a href=\"https:\/\/t1p.de\/f64t9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nazig\u00fcnstlingen<\/a> in k\u00fcnstlerischer Form zur\u00fcckstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass es aber auch anders gehen kann, wenn \u00fcbergeordnete Gesichtspunkte in Spiel kommen, zeigt ein <a href=\"https:\/\/t1p.de\/zi01l\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktueller Fall von der documenta in Kassel<\/a>. Ein &#8222;K\u00fcnstlerkollektiv&#8220; aus Indonesien hatte einen Finanzspekulanten mit einer SS-Rune, und einen Soldaten mit Schweinzskopf mit einem Davidstern versehen, was offenbar zum Ausdruck bringen sollte, dass es nicht auf die Etiketten ankommt, sondern auf das Ergebnis. Das geht nat\u00fcrlich gar nicht, denn dadurch wird ein Grundpfeiler der deutschen Staatsraison verletzt. Da musste Kulturstaatsministerin Roth sofort eingreifen und das Bild entfernen lassen. Mit dem Etikett des Antisemitismus darf die documenta nicht beschmutzt werden, v\u00f6llig egal, ob es sich im Ergebnis um ein Kunstwerk handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wurde auch zugleich die provokante These der K\u00fcnstler widerlegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal wieder ein Beitrag zur Kunst, die eigentlich die Aufgabe hat, die Menschen zu erfreuen. 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