{"id":34657,"date":"2021-11-01T08:20:16","date_gmt":"2021-11-01T06:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/?p=34657"},"modified":"2021-11-02T10:35:17","modified_gmt":"2021-11-02T08:35:17","slug":"chancengleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-domanski.de\/page\/chancengleichheit\/","title":{"rendered":"&#8222;Chancengleichheit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In den juristischen Examina ist der Begriff &#8222;<a href=\"https:\/\/t1p.de\/ipq8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chancengleichheit<\/a>&#8220; bekanntlich ein gro\u00dfes Thema, denn man kann nicht einfach alle Pr\u00fcflinge in einen gro\u00dfen Saal packen, ihnen einen Klausursachverhalt austeilen und nach 5 Stunden die Uhr anhalten. Wie schon <a href=\"https:\/\/t1p.de\/se7qy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der Schule<\/a> muss nat\u00fcrlich dem Umstand Rechnung getragen werden, dass manche Pr\u00fcflinge benachteiligt sind. Das f\u00fchrt im Ergebnis dazu, dass einige Pr\u00fcflinge in einem abgesonderten Raum \u00fcblicherweise 45 Minuten l\u00e4nger schreiben d\u00fcrfen, als die anderen. Nat\u00fcrlich sprechen daf\u00fcr gute Gr\u00fcnde, denn sonst h\u00e4tte man dies nicht eingef\u00fchrt. Bei Pr\u00fcfungen geht es heutzutage nicht mehr darum, die herauszupr\u00fcfen, die aus irgendwelchen Gr\u00fcnden ungeeignet sind, sondern um Chancengleichheit, und wie l\u00e4sst sich diese besser nachweisen, als durch Ergebnisgleichheit? Wenn alle gleich sind, werden sie auch das gleiche Ergebnis produzieren. Was der Gau\u00df von einer <a href=\"https:\/\/t1p.de\/ui9ck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Glockenkurve<\/a> gefaselt hat, l\u00e4sst sich notfalls in der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung durch selektive Fragestellung problemlos wieder glattziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Tag meiner ersten Klausur zum 2. Staatsexamen trafen sich die Pr\u00fcflinge auf dem Gang vor den Pr\u00fcfungsr\u00e4umen, man sprach \u00fcber die Anspannung, w\u00fcnschte sich Gl\u00fcck, bis dann der gro\u00dfe Zeitpunkt gekommen war. Ein Kollege, ein Dr. L.L.M., der noch am Tag zuvor putzmunter wirkte, begab sich daraufhin zum Zimmer mit der Schreibverl\u00e4ngerung. Ich fragte ihn, was denn sein Leiden sei, doch er zwinkerte mir nur zu. Kein Problem, man muss ja auch nicht jedem Hansel auf die Nase binden, unter welchen Ausfallerscheinungen man leidet. Ich warf daraufhin einen Blick in den Raum und erkannte dort einige Gesichter wieder, unter anderem einen Kollegen, der noch wenige Minuten vorher so emotionslos wirkte, als h\u00e4tte man ihm Ritalin verabreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei uns, also den &#8222;Normalen&#8220;, die nicht das Pech hatten, von Gott gestraft worden zu sein, war die M\u00f6glichkeit, unseren Korrektoren zu zeigen, dass wir besser als 0 Punkte sind, nach punktgenau 5 Stunden beendet. Dass das JPA den Sachverhalt w\u00e4hrend der Klausur gleich dreimal korrigieren musste, f\u00fchrte nat\u00fcrlich nicht zu einer Schreibverl\u00e4ngerung, denn das h\u00e4tte den gesamten Betrieb durcheinander gebracht und zu irgendwelchen Klagen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen weiteren Einzelfall m\u00f6chte ich nat\u00fcrlich auch noch erw\u00e4hnen: Der Platz eines anderen DR. L.L.M. war in der 8. Klausur leer, denn der Kollege war zwischenzeitlich &#8211; vermutlich krankheitsbedingt &#8211; zur\u00fcckgetreten. Wenn man nach der Klausur mit Hilfe einer juristischen Datenbank feststellt, dass man den Fall anders gel\u00f6st hat, als in der Originalentscheidung, kann das schon mal zu einem Nervenzusammenbruch f\u00fchren. Da ist es sicherlich besser, den Durchgang hinter sich zu lassen, und es mit klarem Kopf beim n\u00e4chsten Termin einfach nochmal zu versuchen, k\u00f6nnte ich mir zumindest vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine kleine Analogie aus dem Sport m\u00f6chte ich dazu auch noch bem\u00fchen: Wer beim Dopingtest mit einer verbotenen Substanz erwischt wird, hat Pech gehabt und wird disqualifiziert. Man kann sich diese Mittel allerdings auch krankheitsbedingt, also mit &#8222;medizinischer Indikation&#8220; verschreiben lassen. Dann ist <a href=\"https:\/\/t1p.de\/6gjy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nat\u00fcrlich alles in Ordnung<\/a> und man darf Weltrekorde brechen und sich daf\u00fcr f\u00fcrstlich entlohnen lassen. Den Arzt bezahlt man dann aus der Portokasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den juristischen Examina ist der Begriff &#8222;Chancengleichheit&#8220; bekanntlich ein gro\u00dfes Thema, denn man kann nicht einfach alle Pr\u00fcflinge in einen gro\u00dfen Saal packen, ihnen einen Klausursachverhalt austeilen und nach 5 Stunden die Uhr anhalten. Wie schon in der Schule muss nat\u00fcrlich dem Umstand Rechnung getragen werden, dass manche Pr\u00fcflinge benachteiligt sind. 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