Ich weiß nicht nicht, wie es Ihnen geht, aber mir geht das Gebimmel schon länger auf die Nerven. Wenn das religiöse Angebot künftig lautstark erweitert werden soll, stellt sich die Frage, ob Bürger, die dem Verein nicht angehören, die Ruhestörung hinnehmen müssen. Religionsfreiheit gibt es auch negativ. Persönlich bin ich übrigens seit 1975 betroffen, als der Betonklotz im Karbener Weg fertig gestellt wurde. Davor war Ruhe, eine sehr angenehme Ruhe.

 
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Nach innen, dem sog. „Forum Internum„, darf hier jeder seinen persönlichen Mumbo Jumbo glauben und praktizieren. Nach außen gilt das sog. „Forum Externum“. Dort sind staatliche Reglementierungen möglich. Bezüglich der rechtlichen Voraussetzungen des Kirchengebimmels ist allerdings auf die verfassungsrechtlichen Sonderrechte der „Religionsgemeinschaften“ zu verweisen, die auf die TA-Lärm ausstrahlen. Gegen das aufdringliche Gebimmel christlicher Kirchen lässt sich daher leider nichts unternehmen, andernfalls wäre es wohl auch schon längst aus dem Alltag verschwunden.

Was steht es mit der Konkurrenz?

Diesbezüglich könnte man argumentieren, dass mit den „Religionsgemeinschaften“ nur die gemeint sind, die bereits in der Weimarer Republik anerkannt waren. Das wäre die sog. „historische Auslegung“. Man könnte sich allerdings auch streng am Wortlaut orientieren und dies auf alle derzeit anerkannten Religionsgemeinschaften beziehen. Die Entscheidung kann dahinstehen, denn es geht viel einfacher, wie das OVG NRW überzeugend darlegt:

„Für die Frage, ob Lärmeinwirkungen das zumutbare Maß überschreiten und damit eine erhebliche Belästigung im Sinne von § 3 Abs. 1 BImSchG darstellen, ist ein objektivierter Maßstab – nämlich das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen, nicht die individuelle Einstellung eines besonders empfindlichen Nachbarn – zugrunde zu legen.“

Ein „verständiger“ Durchschnittsmensch von heute fühlt sich davon nicht gestört. Da ist der Zirkelschluss bereits eingebaut, denn wer sich daran stört, ist nicht „verständig“. Das ist Jura! Für das klagende Ehepaar heißt das, neben dem Tragen der Verfahrenskosten, dass es einfach nur zu verständnislos ist.

Anders formuliert: Ihre Probleme sind nicht unsere Probleme, deshalb heißen sie auch so.