Wenn man in der Rede des Bundespräsidenten zur Wiedervereinigung liest, dass Katholiken und Juden im Kaiserreich als „Reichsfeinde“ galten, sollte man sich klarmachen, was unter den Begriffen „Glimpf“ und „Unglimpf“ zu verstehen ist, denn das „Ver-un-glimpfen“ des Bundespräsidenten ist strafbar.

Der Duden definiert den Begriff „Glimpf“ als: mittelhochdeutsch g(e)limpf, althochdeutsch gilimpf = angemessenes Benehmen, zu mittelhochdeutsch gelimpfen, althochdeutsch gilimpfen = etwas angemessen tun, rücksichtsvoll sein, ursprünglich = schlaff, locker sein. Der Gegenbegriff „Unglimpf“ soll Synonym für Schmach, Beschämung, Blamage oder Demütigung sein. Man darf sich über den Bundespräsidenten öffentlich nur angemessen äußern.

Ist es eine Schmach, beschämend, eine Blamage oder gar demütigend, wenn der Bundespräsident als promovierter Jurist gravierende Lücken in seinen Kenntnissen der Rechtsgeschichte aufweist? Bismarck hatte lediglich die Anhänger des Zentrums (dem Vorläufer der heutigen CDU) und die Anhänger der Sozialdemokratie (dem Vorläufer der heutigen SPD) zu „Reichsfeinden“ erklärt. Juden wurde im Kaiserreich die volle Gleichberechtigung garantiert. Die entsprechende Regelung ist der Reichsverfassung von 1871 auf den ersten Blick zwar nicht zu finden, was aber nicht heißt, dass sie nicht existierte. Es war Art. 80 der Verfassung des Deutschen Bundes. Der verwies unter anderem auch auf die entsprechende Regelung des Norddeutschen Bundes.

Da der Bundespräsident sich nicht selbst verunglimpfen kann, halte ich einen Hinweis auf diesen ärgerlichen Fauxpas für strafrechtlich unbedenklich.