Die LTO beglückt ihre Leser an diesem Wochenende mit einem Beitrag zum Recht im Star-Trek-Universum. In der künftigen schönen neuen Welt geht es natürlich auch für Juristen um die Existenzfrage: Wird es uns in Zukunft überhaupt noch geben?

Bevor man sich darüber Gedanken macht, lohnt erst mal ein Schritt zurück. Was ist eigentlich das Star-Trek-Universum?

„Raumschiff Enterprise“, ist eine TV-Serie aus der Lyndon B. Johnson-Ära (1963-1969). Da im Fernsehen ausschließlich Propaganda läuft, waren auch die Abenteuer Captain Kirks und seiner diversen Crew eine ideologische Zukunftsvision der US-Demokraten. Das fängt schon damit an, dass in 100% der Fälle die Bordwaffen versagten und nach einer alternativen Konfliktlösung gesucht werden musste. Da es sich um Science Fiction handelt, in welcher der Ausgang der Geschichte durch das Drehbuch bestimmt wird, klappte es am Ende natürlich auch immer. Dass sich ein progressives Konzept am Schluss als völliger Blödsinn herausstellt, kommt in Science Fiction, im Gegensatz zu historischen Themen, nicht vor. Die Titanic muss sinken, die Enterprise nicht.

Zurück zur Ausgangsfrage, ob es in der Zukunft Richter geben wird. Dazu muss sich vergegenwärtigen, wie im Sandkasten ein Streit um das Förmchen zwischen kleinen Kindern abläuft. Da sich die Kinder nicht einigen können, werden Erwachsene als nächsthöhere Instanz zur Entscheidung des Streits angerufen. Das funktioniert gut, bis die Kinder eines Tages selbst erwachsen werden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt akzeptieren sie das Urteil von „Gleichen“ mangels Authorität nicht mehr. Es ist daher eine neue Authoritätsperson nötig, ein Richter. Dieser Richter trägt einen schwarzen Mantel und erzählt irgendwas von kryptischen Paragraphen, die nach Zahlen sortiert sind und in einem kryptischen Buch stehen. Auch wenn keiner außer dem Richter weiß, was das alles bedeutet, so wird das Urteil dennoch von den Parteien akzeptiert, weil sie keine andere Wahl haben. Das Verfahren ist eine staatliche Veranstaltung zur Erzeugung von Rechtsfrieden. Dem Unterlegenen muss eine glaubhafte Show geboten werden, damit er einsieht, dass er verloren hat. Darum und nur darum geht es vor Gericht. Dass die Aufführung bisweilen an ein Kasperletheater erinnert, liegt übrigens daran, dass das Kasperletheater dem Strafprozess nachgebildet ist. Da gibt es den Richter, den Kasperl, seinen Freund, den Seppl, und das Krokodil. Seid ihr alle da?

Diese Aufgabe des Richters könnten auch Computer Übernehmen, weil sie den anerkannten Nimbus der Unfehlbarkeit haben. Dabei gibt es lediglich einen winzigen Haken, der in der Jurisprudenz unter dem Satz „iudex non calculat“ bekannt ist: Der Richter entscheidet nicht, indem er Argumente zählt, sondern indem er sie wägt. Computer können nicht korrigierend eingreifen, wie es bei Gericht üblich ist. „Treu und Glauben“, „Schweinehundtheorie“ und die „Drei goldenen Regeln des Zivilrechts“ sind Computern fremd. Vielleicht kann man das eines Tages den neuronalen Netzen auch noch antrainieren.

Bleiben noch die Anwälte, im Kasperletheater durch den Seppl verkörpert. Werden die benötigt? Nein, natürlich nicht. Die freie Anwaltschaft wurde unter Friedrich dem Großen schon einmal abgeschafft, und das hat 100 Jahre lang problemlos funktioniert. Freie Anwälte gibt es erst wieder seit 1878. Am Ende muss irgendwer den Prozessstoff zur Entscheidung sammeln und vorbereiten. Wer das macht, ein freier Anwalt oder ein Staatsbeamter, ist egal.

P.S.: In Deutschland lief Ende der 60er übrigens auch eine Science Fiction Propaganda-Serie namens „Raumpatouille“. Wer es nicht glaubt, braucht sich nur diesen Ausschnitt anzuschauen. Leider wurde damals die Fortsetzung der Serie verboten (O-Ton: „verbot sich“), weil sie angeblich zu faschistoid war.

„Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem.“