Da der Nachtragshaushalt dieses Jahr angeblich in neue Schuldendimensionen vorstößt, halte ich es für angebracht, sich mit dem Phänomen der Geldschöpfung auf einer abstrakten Ebene zu beschäftigen. Dabei ist wichtig, dass es im Kern um das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung geht.

Stellen Sie sich vor, Gold sei das universelle Tauschmittel, das weltweit akzeptiert wird. Stellen Sie sich ferner vor, Sie seien der spanische König, und man hätte Ihnen gerade berichtet, dass in Ihren Überseekolonien Gold gefunden wurde. Auf einmal wären wie durch ein Wunder ihre Staatskassen gefüllt, ohne dass Sie dafür – außer dem Abtransport – eine eigene Leistung erbringen müssten. Auf einmal könnten Sie überall auf Shoppingtour gehen, denn Gold wird von jedem Verkäufer akzeptiert. Auf einmal bekämen sie für ihren glücklichen Fund eine Gegenleistung.

Stellen Sie sich nun vor, das universelle Tauschmittel sei Papiergeld. Stellen Sie sich ferner vor, es Sie könnten Geld ganz einfach legal drucken. Wie durch ein Wunder wäre ihr Portmonnaie gefüllt, ohne dass Sie dafür – außer dem Drucken – eine eigene Leistung erbringen müssten. Auf einmal könnten Sie überall auf Shoppingtour gehen, denn Geld wird von jedem Verkäufer akzeptiert. Auf einmal bekämen sie für ihr Druckwerk eine Gegenleistung.

Zwischen dem Goldfinden und dem Gelddrucken besteht kein wirklicher Unterschied. Bemaltes Papier ist auch genauso nutzlos, wie rumliegendes Gold. Letztlich wurde mit der Einführung des Fiatgelds der alte Wunschtraum der Alchemie verwirklicht. Wir können Papier bemalen und damit alles kaufen, sogar Gold, und genau das macht die EZB. Sie ist das europäische Eldorado, das aus dem Nichts unglaubliche Reichtümer herbeizaubern kann. Nun druckt die EZB natürlich nicht einfach so Geld. Sie macht das etwas geschickter, sie stellt de facto Wechsel aus. Das Ergebnis ist jedoch dasselbe.

Was wäre die rationale Konsequenz aus diesem Umstand? Die rationale Konsequenz wäre natürlich Inflation. Während früher wegen den Goldfunden in Übersee zwischen England und Spanien ein Krieg ausgebrochen ist, haben wir heutzutage die Problematik politisch einigermaßen unter Kontrolle. Obwohl immer mehr Papiergeld im Umlauf ist, müssen Sie nur auf ihr eigenes Konto schauen, um zu erkennen, dass die Geldmenge offenbar doch begrenzt ist. Natürlich gibt es Crash-Propheten, die am Bankensystem zweifeln. Sie raten den Bürgern in Büchern und preisgünstigen Finanzbriefen zumeist dazu, ihren Papiervorrat durch einen Goldvorrat zu ersetzen. Dass das nichts bringt, sollte eigentlich evident sein. Man kann sein Papiergeld auch durch Steine ersetzen, dann hat man halt Rohstoffe in seinem Depot und muss hinterher nur noch einen Käufer finden, der dafür wieder mit bemaltem Papier bezahlt. Steine sind genausowenig ein akzeptiertes Zahlungsmittel, wie Gold. Besonders makaber ist, dass Panikmacher bereit sind, ihr wertvolles Gold jederzeit gegen bemaltes Papier zu tauschen. Sie machen damit genau den Fehler, von dem sie Ihnen abraten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Unsere gesamte Wirtschaft besteht aus einer Luftnummer. Es werden Reichtümer aus dem Nichts erschaffen. Das wusste schon Goethe, und das weiß natürlich auch die Deutsche Bundesbank. Der Magier von heute trägt lediglich keinen Mantel mehr, sondern Nadelstreifen.

Die gesamte Zaubervorstellung ist brilliant. Niemand wird freiwillig nackt durch die Innenstadt laufen. Geben Sie dieser Person jedoch genügend bemaltes Papiert, das sie gerade frisch aus der Geldpresse gezogen haben, wird sie es tun. Mit diesem bemalten Papier wird die Person hinterher in den nächsten Apple Store gehen und dort ein I-Phone erwerben. Die Firma Apple wird von dem bemalten Papier ihre Angestellten bezahlen, die dort jeden Tag mehr als acht Stunden ihrer Lebenszeit verbringen, nur um dafür bemaltes Papier zu erhalten. Das bemalte Wunderpapier ist der Treibstoff für unseren gesamten Wirtschaftskreislauf. Wenn wir mal zu wenig bemaltes Papier haben, dann nehmen wir einfach bei einer hypothetischen Bank in Wolkenkuckucksheim einen neuen Kredit mit einer Laufzeit bis zum Jüngsten Tag auf, und schon geht die Party weiter. Ob der Kredit jemals zurückbezahlt wird, ist völlig egal.

Nach diesen Ausfrührungen ist es hoffentlich einfacher, Meldungen wie diese zu verstehen. Was früher einen Kriegsgrund gebildet hat, reicht auch heute noch dazu aus. Umso kritischer wird es, je mehr ein Staat sein selbstgedrucktes bemaltes Papier dazu einsetzt, im Ausland die Industrie zu übernehmen.

 
Nachtrag: Die WELT bezeichnet das bemalte Papier aus Wolkenkuckucksheim als „Geister-Milliarden„. Fehl am Platz ist das Wörtchen „nur“, denn bei einer ungedeckten Währung war das schon immer so, und es wird auch immer so bleiben. Der Glaube an den Euro ist zu einer Ersatzreligion geworden.