Normalerweise stehe ich nicht auf US-Serien aus der Obama-Ära, weil sie dazu genutzt werden, um unterschwellig politische Botschaften der US-Demokraten zu transportieren. So ist es auch hier kein Zufall, dass die Geschichte um die Thronfolge der Sieben Königreiche mit Königen beginnt, die sukzessive durch Königinnen ersetzt werden, mit einer Ausnahme, auf die ich noch zu sprechen komme. Die ganze Serie dreht sich hauptsächlich um Feminismus am Beispiel des Frauenbilds einer mittelalterlichen Fantasy-Welt. Die Frauen, die in der Serie gezeigt werden, sind regelmäßig ganz oben (Königinnen, Prinzessinnen), oder ganz unten (Dienerinnen, Prostituierte). Dass auch Frauen im Kampf ihren Mann stehen können, beweist eine 1.80m große Ritterin, die problemlos die stärksten Männer besiegt, und ein kleines Mädchen, das von einem Geheimbund zur Auftragskillerin ausgebildet wurde.

Die Serie selbst besteht im Prinzip aus fünf bis sechs einzelnen Fantasy-Filmen, die ineinander geschnitten zu einer Art Reportage verwurstelt wurden. Es wird quasi permanent von einem Fantasy-Film zum anderen geblendet. Auf diese Weise werden die Handlungsstränge parallel weiterentwickelt. Dabei können sie sich mehrfach kreuzen, zu einem verschmelzen oder wieder voneinander abzweigen. Zuletzt verbünden sich die „Guten“, wie Marvel-Heroes.

Die drei wichtigsten Handlungsabschnitte sind der Machtkampf zwischen Norden, der rein zufällig an Schottland erinnert, und Süden, die charismatische Prinzessin, die mit ihren drei Drachen über das Äquivalent zu einem „I-win-Button“ verfügt, und die bevorstehende Invasion der Zombies aus dem Eis, angeführt von dem Hellraiser-Pinhead Night King, der in der gesamten Serie kein einziges Wort sagt. Thematisch wird das alles begleitet durch brutalste Gewaltsorgien, wie sie eigentlich nur aus Horrorfilmen bekannt sind, und Nacktszenen, die an einen Softporno erinnern. Zu alledem kommt auch noch der Umstand, dass jeder Hauptcharakter jederzeit sterben kann. Dieser Mix macht neugierig, und so bin ich in den Strudel der Propaganda gezogen worden.

Der eigentlich Clou kommt natürlich am Ende. Die Prätendentin und Favoritin der Zuschauer, die eigentlich für den Thron vorgesehen war, die Blondine mit den Drachen, wird vom Depp ermordet, und es kommt zu einer Königswahl durch die verbliebenen Protagonisten. Einer schlägt eine Volksabstimmung (Demokratie) vor, und wird dafür ausgelacht. Zum König gewählt wird am Ende eine der langweiligsten Figuren der gesamten Serie. Dies löste in den USA einen Sturm der Empörung aus und führte sogar zu einer Onlinepetition mit über 1.5 Millionen Unterzeichnern. Die haben allesamt nicht verstanden, dass das Ende der Serie gerade keine Volksabstimmung ist. Die haben allesamt nicht verstanden, dass die Bevölkerung in Monarchien und Oligarchien die Entscheidungen von einem, bzw. von wenigen, hier die Entscheidung der Autoren, zu schlucken hat, auch wenn sie offenkundig schlecht ist. Aus diesem Grund ist das Ende der Serie kein Beweis für die totale Inkompetenz der Autoren, sondern ein absoluter Geniestreich. Dieses Ende soll alle enttäuschen!

Zum Schluss möchte ich noch auf eine interessante Parallele hinweisen: Daenerys, die charismatische Blondine mit den Drachen, tritt mit dem Slogan an, die Ketten zu brechen, mit denen die Bevölkerung versklavt wird. Da kenne ich noch so einen, der einst charismatische Reden hielt und seinen Wählern versprach, die Ketten zu brechen, die Ketten des Vertrages von Versailles. Daenerys kreuzigt die Sklavenhalter. Da kenne ich noch so einen, der alle umbringen ließ, die er nach seiner Ideologie für Sklavenhalter hielt. Daenerys hat eine Elitetruppe, die schwarze Uniformen trägt und loyal für sie bis in den Tod kämpft. Da kenne ich noch so einen, der eine loyale Elitetruppe hatte, die schwarze Uniformen trug. Zuletzt wird Daenerys verrückt und bringt massenweise unschuldige Menschen um. Da kenne ich noch so einen, der verrückt geworden ist und massenweise Unschuldige getötet hat. Anhand dieses Deja Vu kann wohl mit gutem Recht sagen, dass sich in Game of Thrones exemplarisch die Pervertierung des Faschismus wiederholt, die in den Untergang geführt hat, und damit auch zur Nachkriegsordnung. Dass die Nachkriegsordnung gerecht und notwendig ist, wird den Menschen 24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr, seit 75 Jahren von der Propaganda auf allen medialen Kanälen eingehämmert, so auch von G.R.R. Martin in Game of Thrones.

Einen habe ich noch, dann bin ich aber auch fertig: Die Problematik des „deus ex machina„. Was mich an den Tolkien-Romanen immer gestört hat, war das wiederkehrende und damit vorhersehbare Motiv des „deus ex machina“. Die Konstruktion ist relativ simpel: Ein Held verlässt die Gruppe. Die Gruppe gerät in unlösbare Schwierigkeiten. Der Held kommt zurück und rettet den Tag. Man konnte bei Tolkien darauf wetten, dass derjenige der Retter sein wird, der zufällig gerade fehlt. Ähnlich ist es auch bei Game of Thrones, wo in der ersten Staffel ein völlig unbedeutender Nebencharakter in der nördlichen Wildnis geparkt wird, um dann mehrere Staffeln später nicht nur einmal, sondern gleich zweimal, den Retter aus höchster Gefahr zu spielen. Das ist nicht der einzige Fauxpas, denn die Autoren waren sich noch nicht mal zu schade, den scheinbar unbesiegbaren Hellraiser-Pinhead Night King in der epischen Endschlacht mit den Eis-Zombies durch einen unerwarteten Ninja-Sprung aus dem Nichts von der kleinen Assassine töten zu lassen. Nun kann man sicherlich argumentieren, dass ihre Storyline darauf angelegt war, aber die Aktion selbst war schlichtweg armselig. Als Zuschauer fühlt man sich von den Autoren um die glaubwürdige Lösung betrogen. Ein Gegenbeispiel für eine glaubwürdige Lösung ist Aryas Trick mit der Kerze. Das war einfach nur genial. In den letzten beiden Staffeln der Serie steigt die Anzahl der „deus ex machina“ und die Lösungsansätze werden auch immer trivialer, so dass sich die Frage stellt, ob man sich dieses Niveau noch weiter antun soll, aber natürlich siegen Emotionen, Neugier und auch ein bisschen die sunken-cost-fallacy.

 

P.S.: G.R.R. Martin unterstützt die US-Demokraten. In 2018, als die 8 Staffel produziert wurde, war der Konflikt mit Nord-Korea und die Alleinkontrolle des Präsidenten über Nuklearwaffen ein großes Thema. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Daenerys‘ Kurzschlussreaktion am Ende dadurch motviert war, denn ihr Drachen ist eine Massenvernichtungswaffe. Die Zuschauer werden vor dem Bildschirm programmiert, indem man ihnen zeigt, wozu das führen kann. Auf der anderen Seite kann man natürlich sagen, dass die Geschichte des „Mad King“ bereits von Anfang an darauf angelegt war, sich bei seiner Tochter zu wiederholen. Die Serie hat die Romanvorlage jedoch bereits nach der 6. Staffel überholt. Die Serienautoren hatten dadurch, zumindest was die Details anbetrifft, gewisse schöpferische Freiheiten. Dass unterschwellige Programmierung möglicherweise reale Auswirkung gezeigt hat, sieht man hier.