In New York hat die katholische Diözese bankrott angemeldet. Der Grund dafür sind ca. 200 Schmerzensgeldklagen wegen Kindesmissbrauchs. Hier zeigt sich ein struktureller Nachteil von kirchlichen Organisationen: Man kann sie nicht, wie z.B. Monsanto, kurz vor der Insolvenz an Mitbewerber verkaufen.

Damit stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche in Deutschland nicht nur moralisch, sondern auch finanziell bankrott gehen kann. Dazu sollte man drei Umstände in die Betrachtung miteinbeziehen:

Zum einen fallen die hierzulande ausgeurteilte Schmerzensgeldbeträge deutlich geringer aus, als in den USA. Während man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten z.B. für eine Verbrühung mit „zu heißem“ Kaffee schon mal locker mehrere Millionen Dollar Schmerzensgeld bekommen kann, wurde die Million in Deutschland bislang erst zweimal genkackt (hier und hier).

Zum anderen verzeichnen die Kirchen trotz rapide sinkender Mitgliederzahlen Rekordeinnahmen bei den Kirchensteuern. Das lässt sich auch dadurch erklären, dass seit geraumer Zeit viele Kirchensteuerzahler in sozialen Berufen eine Hochkonjunkturphase erleben. Die vielen jahrelang ausgebildeten Sozialwissenschaftler, die sich früher notgedrungen als Taxifahrer durchschlagen mussten, haben heutzutage fast alle einen gut bezahlten Vollzeitjob.

Last but not least ist die katholische Kirche in Deutschland geschickter, und möchte die Schmerzensgelder deckeln. Ob sich die jeweiligen Opfer auf eine solche vergleichweise Einigung einlassen sollten, dürfte allerdings eine Frage des Einzelfalls sein und einige Überlegung erfordern. Es wäre tragisch, sich als Kind von irgendwelchen Pfarrern missbrauchen und dann hinterher als Erwachsener von deren Vertretern auch noch über den Tisch ziehen zu lassen.

 
Nachtrag (20.12.2020): In diesem Fall wurden 15.000 € gezahlt.