Finanzielle Unabhängigkeit, wer träumt nicht auch davon? Der Focus verrät seinen interessierten Lesern ein geniales Geschäftsmodell, mit dem man reich werden kann. Zum Beweis wird ein Unternehmer gezeigt, bei dem es anscheinend geklappt hat, in der Vergangenheit. Nun möchte er ein Buch verkaufen.

Ignorieren wir einfach mal die Umweltperspektive, dass die GRÜNEN in nicht ferner Zukunft den Indiviualverkehr verbieten werden, und konzentrieren uns auf die reale Umsetzung. Auf den gängigen Immobilienplattformen sind Garagen entweder gar nicht zu bekommen, oder sie sind derzeit völlig überteuert (Nettorendite ~ 3%). Das liegt daran, dass der Markt effizient ist. Immobilienprofis scannen die Angebote im Internet mit spezieller Software und greifen sich alle vermeintlichen „Glückstreffer“ ab, bevor der Laie sein allmorgendliches Müsli verspeist hat. Wer schon mal eine günstige Immobilie – oder auch einen Gebrauchtwagen – ins Netz gestellt hat, weiß es: Bereits eine Minute später steht das Telefon nicht mehr still.

Kommen wir zu Plan B: Wir kaufen ein Grundstück und bebauen es einfach selbst mit Garagen. Klingt super, doch es gibt ein winziges Problem: In § 34 Abs. 1 BauGB steht etwas von „Einfügen“. Das ist der Grund, warum in Deutschland alle Häuser in den Straßen ähnlich aussehen. Kurzzeitig war es mal anders, als die Alliierten 1945 in Deutschland in bester Absicht viel Raum für Kreativität geschaffen hatten, aber diese Zeiten sind vorbei, ob man es mag, oder nicht. Auf unser Garagenprojekt bezogen heißt das, es wird sich höchstwahrscheinlich nicht einfügen. Ergebnis: Baugenehmigung (-).

Was will uns der Dichter sagen? Es gibt kein get-rich-quick-scheme, jedenfalls keines das für jedermann funktioniert. Wenn man von solchen Konzepten erfährt, sind die goldenen Zeiten regelmäßig bereits lange vorüber. Irgendwen findet man immer, bei dem es geklappt hat. Es findet sich auch jede Woche ein Lottogewinner. Mit Garagen kann man Geld verdienen, wenn die Voraussetzungen vorliegen. Mit dem Wörtchen „wenn“ steht und fällt wie immer alles.

P.S.: Vor einigen Jahren besaß ich noch selbst ein Grundstück in Niederdorfelden, auf dem ich keine Garagen bauen durfte.

Nachtrag: Es gibt Zeitgenossen, die sich über 3% Rendite freuen. Bei einer Inflation von 2% pro Jahr wird man zwar nicht reich, aber man hat zumindest sein Vermögen vor der Inflation gerettet, so scheint es zumindest. Das Problem dabei ist jedoch, dass das Mietobjekt einer Abnutzung unterliegt. Nach einigen Jahren zeigen sich erste Risse an den Garagenwänden, bzw. in der Tiefgarage fällt  eines Tages die Objektsanierung an. Die Renovierungskosten kann man von der Steuer absetzen, aber nur in Höhe des Steuersatzes. Klar kann man alles einpreisen, aber von der Rendite bleibt nicht mehr viel übrig. Dabei habe ich unterstellt, dass man die Garage bar bezahlt. Wenn dabei auch noch Kreditzinsen anfallen, ist das Thema Rendite sofort vom Tisch. Eine grundlegende Überlegung möchte ich auch noch anschließen: Objekte, die 30 Jahresmieten kosten, haben sich erst in 30 Jahren amortisiert. Vor diesem Zeitpunkt, bekommt man lediglich sein Geld zurück. Was in 30 Jahren sein wird, weiß kein Mensch. Manche erleben diesen Tag vielleicht gar nicht mehr. Die besten Geschäftsmodelle rund um Immobilien sind die Maklertätigkeit, das Veranstalten von Immobilienseminaren und das Schreiben von Büchern.