Der BGH hat in einer neueren Entscheidung ein wichtiges Detail klargestellt: Das bewusste und gewollte Zusammenwirken beim Download von Dateien in einem Peer-to-Peer Netzwerk, wie es bei Bittorrent & Co. geschieht, ist im Rahmen des § 94 Abs. 1 Satz 1 UrhG als Mittäterschaft zu bewerten.

Die Entscheidung ist in der Sache nicht überraschend und erleichtert die Beweisführung. Der Rechteinhaber muss nun lediglich beweisen, dass eine vollständige Datei zum Download stand, und nicht mehr, entgegen der Rechtsprechung des LG Frankental, ob sie vollständig heruntergeladen wurde.

Interessant für Juristen mit technischem Sachverstand ist bei der Begründung des BGH folgende Passage:

Das Bereitstellen von Dateien oder Dateifragmenten über ein Peer-toPeer-Netzwerk erfolgt regelmäßig im Rahmen eines bewussten und gewollten Zusammenwirkens der Teilnehmer. Dem steht nicht entgegen, dass die Teilnehmer der Tauschbörsen anonym bleiben und nicht untereinander kommunizieren. Mittäterschaft kommt auch in Betracht, wenn die Beteiligten einander nicht kennen, sofern sich jeder bewusst ist, dass andere mitwirken und alle im bewussten und gewollten Zusammenwirken handeln (vgl. BGH, Urteil vom 12. November 2009 – 4 StR 275/09, NStZ 2010, 342 Rn. 14; Heine/Weißer in Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl., § 25 Rn. 72). Die Funktionsweise von Internettauschbörsen, die schon seit mehr als zehn Jahren Gegenstand der medialen Berichterstattung und der zivil- und strafrechtlichen Rechtsprechung sind, ist deren Teilnehmern regelmäßig jedenfalls insofern geläufig, als sie sich im Klaren darüber sind, nicht nur Dateien oder Dateifragmente von den Computern anderer Teilnehmer auf ihren Computer herunterzuladen, sondern zugleich im Netzwerkverbund anderen Nutzern das Herunterladen von Dateien oder Dateifragmenten zu ermöglichen, um eine funktionsfähige Gesamtdatei zu erhalten. Auch wenn es an technischem Spezialwissen fehlt, ist den Teilnehmern einer Internettauschbörse regelmäßig bewusst, dass sie auf diese Weise im arbeitsteiligen Zusammenwirken mit anderen Teilnehmern des Netzwerks das Herunterladen vollständiger und funktionsfähiger Dateien ermöglichen. Sie wirken daher bei der öffentlichen Zugänglichmachung der Dateien mit den anderen Teilnehmern der Tauschbörse bewusst und gewollt zusammen (vgl. OLG Köln, GRUR-RR 2016, 399 Rn. 18; Hilgert/Greth, Urheberrechtsverletzungen im Internet, Rn. 787 ff.; Heinemeyer/Kreitlow/Nordmeyer/Sabellek, MMR 2012, 279, 283; aA LG Hamburg, Urteil vom 12. Februar 2014 – 308 O 227/13, juris Rn. 51; AG Düsseldorf, Urteil vom 20. Mai 2014 – 57 C 16445/13, juris Rn. 18; Solmecke/Bärenfänger, MMR 2011, 567, 570 f.). Dass es dem Teilnehmer einer Internettauschbörse in erster Linie darauf ankommen mag, selbst in den Genuss der heruntergeladenen Dateien zu gelangen, steht der Annahme vorsätzlichen Zusammenwirkens mit den anderen Teilnehmern nicht entgegen. Weiß er, dass im Rahmen der arbeitsteiligen Funktionsweise der Tauschbörse die Bereitstellung der von ihm heruntergeladenen Dateien oder Dateifragmente im Netzwerk eine notwendige Begleiterscheinung des Herunterladens auf den eigenen Computer ist, so nimmt er diese Folge seines Handelns mindestens billigend in Kauf. Dies reicht für die Annahme von Mittäterschaft aus (vgl. Heine/Weißer in Schönke/Schröder aaO § 25 Rn. 99).

Folgende Frage bleibt offen: Wie ist es zu beurteilen, wenn in den Einstellung des Downloadclients der Upload blockiert war (sog. Leechen)? Dann fehlt es nämlich am gemeinsamen Bereitstellen von Datenfragmenten. Leecher werden zwar häufig aus Filesharing-Netzwerken gebannt, aber nicht immer. Der reine Download von Daten, die offensichtlich rechtswidrig zugänglich gemacht wurden, ist auch nicht erlaubt, aber in der Praxis schwieriger zu beweisen.