In der kanadischen Dystopie „Harrison Bergeron“ aus dem Jahre 1995 wird eine Gesellschaft beschrieben, in der Gleichheit vom Staat durch Handicaps erzwungen wird. Die Bevölkerung muss dazu sog. „Nivellierungsringe“ tragen, ein Kopfreif, der die Denkfähigkeit beeinflusst. Ziel: Durchschnittlichkeit.

 

Quelle: Harrison Bergeron

 

Ein ähnliches Phänomen können wir nicht nur in der Europäischen Union beobachen, wo seit 1986 die sog. „Kohäsionspolitik“ betrieben wird, sondern natürlich am Beispiel der sog. „Positiven Diskriminierung“, wie sie in Anlehnung an den im Jahre 1994 neu eingefügten Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG praktiziert wird. In der Schule ist dieses Phänomen natürlich schon seit Ende der 60er Jahre bekannt, als Jungen- und Mädchenschulen vereinigt wurden.

An dieser Stelle möchte ich an die Regelungstechnik des Gesetzes erinnern. Der Normalfall wird grundsätzlich nicht geregelt. Geregelt werden die Ausnahmen. Wenn also im Gesetz steht „Männer und Frauen sind gleich“, dann ist das eine Ausnahme zur gelebten Wirklichkeit. Männer und Frauen sind natürlich nicht gleich, sonst gäbe es keine unterschiedlichen „Typenbezeichnung“. Sie werden vom Gesetz jedoch ausnahmsweise (sic!) gleich behandelt. Das war ursprünglich nur als Chancengleichheit gedacht. Das Problem erkennt man jedoch z.B. beim Schulsport. Wenn man dieselben Kriterien anlegt, schneiden Mädchen signfikant schlechter ab. Ähnliche empirische Beobachtungen gibt es z.B. in den Naturwissenschaften. Deshalb wurde die mündliche Note in einen Gleichmacher (Equalizer) umgewandelt. Schriftlich 4, mündlich 2, macht als Endnote 3+. Andersrum klappt es auch: Schriftlich 2, mündlich 4, macht als Endnote 3-. Das Ergebnis ist dieser Methoden ist auch bekannt. In unserer modernen egalitären Gesellschaft müssen sich Männer bereits ab dem 1. Schultag in einem Wettkampf um Karrierechancen gegen „gedopte“ Frauen behaupten. Die Rechtfertigung lautet: Es geht nunmal nicht anders. Zu einem wirklichen Problem wird es allerdings, wenn der Staat seine noblen Bemühungen übersteuert. Das sehen wir neuerdings an den Abitur-Quoten.

Merke: Die Grundgesetzänderung kam 1994 unter Kohl, überraschenderweise nicht erst 1998 unter Rot-Grün. Gut, die hätten es natürlich auch gemacht. Warum traf es Helmut Kohl? Weil Bill Clinton 1993 in den USA an die Regierung gekommen war. Alle gesellschaftlichen Veränderungen kommen von dort.