Nachdem ich in der Vergangenheit bereits über die WELT und die SZ geschrieben habe, möchte ich mich heute aus aktuellem Anlass der Stuttgarter Zeitung widmen. Wie immer reicht dazu ein Blick in die Wikipedia, die zwar angeblich von Linksradikalen unterwandert sein soll, aber dennoch die eine oder andere unangenehme Wahrheit bereithält. Der Witz ist jedoch, dass manche nicht merken, dass die folgende Information Glaubwürdigkeit zerstört.

Die Druckereien und Verlage waren beschlagnahmt worden. Die westlichen Besatzungsmächte vergaben an politisch unbelastete Bürger Lizenzen zur Herausgabe von Zeitungen und stellten ihnen die beschlagnahmten Maschinen zur Verfügung. Dabei achteten die Besatzungsmächte auch darauf, dass die großen politischen Richtungen vertreten waren.

Die Stuttgarter Zeitung wurde zunächst von drei Lizenzträgern der Information Control Division verlegt: Josef Eberle, Karl Ackermann und Henry Bernhard. Am 18. September 1945 erschien die erste Ausgabe. Nach Wechseln bei den Lizenzträgern, wobei die ausscheidenden andere Blätter übernahmen, blieb schließlich neben Erich Schairer, der 1956 starb, nur Josef Eberle als Herausgeber bis 1972 bei der Stuttgarter Zeitung.

Da sind sie wieder in trauter Einigkeit, die sog. „Lizenzträger“. Wenn man in deren Vita schaut, bietet sich überall das gleiche Bild. Einer war sogar wegen seiner Tätigkeit für die „Rote Hilfe“ von den Nazis – natürlich zu Unrecht – als Hochverräter verurteilt worden. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Diese Lizenzträger sind heute natürlich alle tot, aber sie haben zuvor ihre Nachfolger bestimmt, und die haben ihre Nachfolger bestimmt, und wenn sie nicht an einem Mangel an Menschenkenntnis litten, dann läuft es dort heute gesinnungstechnisch noch haargenau so, wie damals. Die gesamte deutsche Nachkriegspresse, die aus der ehemaligen Lizenzpresse hervorging, befolgt offenkundig 75 Jahre später immer noch tagtäglich den Umerziehungsauftrag ihrer der ehemaligen Lizenzgeber. Der ganze ideologische Schwachsinn, der irgendwelchen Linksradikalen in den Vereinigten Staaten morgens auf der Toilette einfällt, schwappt abends ungefiltert auf ihre Titelseiten. Ob man es Informationskontrolle oder psychologische Kriegsführung nennt, ist völlig egal.