Die neuste Schlagzeile des Spiegel bringt es auf den Punkt: Der Laschi kann nicht „Krisenmanager“. Dies denkt zumindest die Mehrheit der Deutschen, für die repräsentativ etwas über 5.000 Personen herhalten mussten. Wäre die Umfrage zu einem anderen Ergebnis gekommen, hätte es dazu vom Spiegel wahrscheinlich keinen Artikel gegeben, behaupte ich zumindest nach einer nicht repräsentativen Selbstbefragung.

Um zu verstehen, wo das Problem seinen Ursprung nimmt, müssen wir uns – wie üblich – anschauen, was nach Kriegsende geschehen ist. Unsere „Freunde und Partner“ haben nämlich mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 eine ganze Latte von ganz besonders bösen Nazivereinen verboten, wie z.B. das Winterhilfswerk, die NS-Kriegsopferversorgung und – man sehe und staune – die Technische Nothilfe. Dafür bekam die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1950 das Technische Hilfswerk. Damit es nicht derselbe Verein ist, lediglich unter anderen Vorzeichen, musste natürlich ein Unterschied bestehen. So wurde das THW auch wieder das, was die Technische Hilfe in der Weimarer Republik war, nämlich eine Arbeitsorganisation, die zur Bekämpfung von Streiks eingesetzt werden kann. Dass man auch im Westen solche Kräfte benötigte, war spätestens seit dem Streik in der Bi-Zone im Jahre 1948 bekannt.

Im Jahre 1953 hat man gemerkt, als man gerade in den Niederlanden bei einer Flutkatastrophe aushelfen musste, dass es vielleicht doch eine gute Idee sei, wenn man auch wieder eine Kastrophenhilfe hätte. So bekam das THW das Aufgabenspektrum, wie wir es noch heute kennen. Aber dann kam die Wiedervereinigung, die große Gefahren und Risiken für unsere „Freunde und Partner“ barg. Konnte man den bösen Nazis wieder vertrauen? Da sicher bekanntlich sicher ist, wurde zur Sicherheit die Bundeswehr verzwergt und unter anderem auch das THW. Da hat man hier ein bisschen aufgelöst und dort ein bisschen verkleinert und den einen Bereich in europäische Strukturen eingebunden und der Rest wurde schön föderal strukturiert, damit möglichst viele Köche den Brei verderben. Last but not least hat man auch noch ein Ministerium gegründet, wo unbeliebte Politiker geparkt werden konnten. Und so kam es, dass der designierte Nachfolger für das Amt des Verfassungsschutzpräsidenten dorthin abgeschoben wurde, weil er nicht das Vertrauen der Kanzlerin genoss. Es ist ein Ministerium, das nichts kann, weil es nichts können darf. Das THW verfügt weder über Hubschrauber noch über Bergepanzer, weil es nicht darüber verfügen darf, sonst wäre man verdächtig, die Nazi-Organisation zu sein, die verboten wurde, von unseren „Freunden und Partnern“.

Ob das „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ versagt hat, ist nicht so klar. Mir scheint auch nicht, dass der Laschi großartig Einfluss nehmen konnte. Die viel naheliegendere Erklärung ist, dass dieses Land von unseren „Freunden und Partnern“ vorsätzlich kaputtsabotiert wurde. Was wir heute sehen, ist der Versuch, noch irgendwie das Beste daraus zu machen. Dass das nicht funktionieren kann, ist klar, denn es darf nicht funktionieren. Was unsere „Freunde und Partner“ sehen wollen, ist ein fetter Kapaun. Der Adler darf nie wieder fliegen. Deshalb ist hier alles so ineffizient, wie möglich.

Man muss sich langsam von dem Gedanken lösen, dass die gesamte Politik seit der Wiedervereinigung eine unglückliche Aneinandereihung persönlichen Versagens sei. Dafür sind einfach viel zuviele hochqualifizierte Leute am Werk. Es ist viel wahrscheinlicher, dass es nicht besser geht, weil weiterhin Sachzwänge bestehen, an denen nicht gerüttelt werden kann. Die sind nicht komplett unfähig. Das Problem ist der Mangel an Handlungsmöglichkeiten. Dieser Mangel hat seinen Ursprung in der Nachkriegsordnung. An dieser Erkenntnis geht kein Weg vorbei. Alles, was hier falsch läuft, beruht darauf. Andersrum heißt das aber auch, dass sich nichts daran ändern lässt. Man muss die Zustände hinnehmen, wie sie sind. Es wird auch nicht besser werden.

Nachtrag: An der Webpräsenz sieht man auch sehr schön, was sich hinter dem BBK verbirgt. Man möchte per „App“ warnen – besonders bei Rentnern sehr beliebt -, setzt auf „Ehrenämter“ und „Selbsthelfende“, und möchte den „Selbstschutz“ stärken. Dazu fördert man u.a. so wundervolle Buchprojekte, wie z.B. „Kochen ohne Strom„. Anstelle staatlicher Hilfe, ist es eine Art Hilfe zur Selbsthilfe, nach dem Motto: Ihr schafft das schon. In gewisser Weise funktioniert das sogar, denn während der Staat vollkommen versagt, helfen die Landwirte. Das hat so einen Touch von Bürgerwehr in Zeiten der Anarchie.

 

Update (22.07.2021): Ein Satz für die Götter: Sie wollen das Vertrauen in staatliche Institutionen und seine Repräsentanten nachhaltig erschüttern. Das bringt mich natürlich in eine schwierige Situation, denn kritische Anmerkungen könnten das Vertrauen auch erschüttern. Sollten Sie in Anbetracht der jüngsten Geschehnisse das Vertrauen noch nicht verloren haben, bitte behalten Sie es. Lassen Sie sich nicht durch subversive „Hilfsbereite“ verunsichern! Meine Lebensphilosophie lautet: Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden. Seit meiner Schulzeit wurden diese Erwartungen auch nie übertroffen.