Die FDP hat ein Problem: Wie soll sie die Ampel ihren Wählern verkaufen?

Einst von Mitgliedern der Deutschen Demokratischen Partei gegründet, einer der drei Säulen der Weimarer Koalition, begann die FDP nach dem Krieg als Partei der Freiheit. „Freiheit“ wurde damals noch nicht als frei von Rückgrat verstanden, sondern als frei vom Besatzungsrecht der Alliierten. Man beachte auch das Logo der FDP aus den Jahren 1952-1968. Der Adler blickt – im Gegensatz zum Bundesadler – nach rechts!

 

 

Wenn man sich klar macht, wer damals die Spitzenkandidaten der FDP waren, Generäle a.D. und Ritterkreuzträger, ist das auch nicht verwunderlich. Verwunderlich ist vielmehr, wie es dem ehemaligen Luftwaffenoffizier Walter Scheel gelungen ist, die FDP umzudrehen und für eine Koalition mit der SPD einzustimmen. Das Amt des Bundespräsidenten hatte er sich damit jedenfalls mehr als redlich verdient.

Die FDP („Fast Drei Prozent“) hat ein Geschäftmodell daraus gemacht zur Verhinderung eines größeren Übels gewählt zu werden. So war sie auch bei dieser Bundestagswahl die Anlaufstelle für enttäuschte CDU-Wähler, die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten, den postmodernen Nachfolger der DNVP zu wählen. Nur so lässt sich der märchenhafte Zugewinn der einen und der drastische Einbruch der anderen erklären. Eines steht jedoch fest: Die FDP wird traditionell vom Besitzbürgertum gewählt, das seinen Wohlstand bewahren will. Umverteilungsorgien, wie sie mit Rot-Grün zu erwarten sind, mal abgesehen vom ideologischen Ablasshandel, sind nicht in ihrem Interesse. Sollte die FDP dies ignorieren, ist die FDP in Gefahr, beim nächsten mal die 5%-Hürde zu reißen. Das ist der Grund, warum in Berlin gerade die Storymachine heißläuft. Herr Lindner muss sich nun irgendeinen billigen Vorwand einfallen lassen, um mit Herrn Scholz ins Bett steigen zu dürfen, ohne die Wähler zu verprellen. Der Mythos vom geringeren Übel ist in höchster Gefahr.