Der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes Kramer wirft dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz die Verwendung „klassischer antisemitischer Stereotypen“ vor. Konkret nimmt er Bezug auf den Artikel „Aufstieg und Fall des Postnationalismus“ in der Publikation Cato.

Vorab, es wäre ein riesiger Skandal, wenn der ehemalige Präsident des deutschen Inlandgeheimdienstes, der Mitglied im Berner Club ist, in dem Israel eine entscheidende Rolle spielt, ein Antisemit wäre. Dann hätte man den Bock zum Gärner gemacht. Dies ist jedoch hochgradig unwahrscheinlich. Während es unproblematisch wäre, diese Position mit einem antideutschen Philosemiten zu besetzen, käme ein Antisemit niemals durch das Screening.

Das Bedienen von Stereotypen hat der amerikanische Comedian Louis C.K. am Beispiel des „N-Words“ sehr schön erklärt. Wenn jemand dieses Wort benutzt, ersetzt der Hörer es automatisch im Kopf durch das Synonym. Das ist auch der Grund, warum Umbenennungen nichts bringen. Wenn Sie z.B. „Schokoschaumkopf“ lesen, denken Sie unwillkürlich, dass das der politisch korrekte Begriff für „N-Kuss“ ist. Das Stereotyp, das Maaßen bedient hat, ist „reiche Familien“. Bei „reichen Familien“ musste Kramer an die Rothschilds denken. Das ist zwar nicht die reichste Familie der Welt, aber die bekannteste. Wenn man in die Liste der reichsten Familien in der Wikipedia schaut, bekommen sie jedoch nur eine historische Erwähnung. Viel interessanter ist z.B. die Familie Koch, die den „Orangeman“ unterstützt hat. Das ist Stefan Kramer jedoch egal, denn die Stereotypen müssen nicht den Gemeinten entsprechen. Sofern auch nur ansatzweise die Möglichkeit zur negativen Fehlinterpretation einer Aussage besteht, wird sie selbstverständlich gerne wahrgenommen.

In Thüringen „soll“ der Präsident des Verfassungsschutzes gem. § 2 Abs. 3 Satz 4 ThürVerfSchG Volljurist sein, Stefan Kramer ist dies nicht. Wie viele seiner Kollegen, die in der Politik ihre zweite Lebenschance gefunden haben, hat auch er keinen erfolgreichen Studienabschluss. Er verfügt jedoch über anderweitige Meriten. Dieser Umstand, ein anderer kommt offenkundig nicht in Betracht, erlaubte es ihm, diese Einstellungshürde zu überspringen. Das ist eine Tatsache, keine Wertung. Diese Tatsache bedient auch ein Stereotyp. Wer entsprechende Vorurteile besitzt, kann hier ein Muster wiedererkennen.

Zu dem Inhalt des Artikels bei Cato möchte ich übrigens auch noch etwas anmerken: Was wir seit den 70er Jahren beobachten, ist kein Masterplan, an dem ein geheimes Netzwerk beteiligt ist, sondern verschiedene Pläne verschiedener Akteure, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Richard Nixon hat die Gold-Bindung des Dollars aufgegeben, damit die USA künftig auf Schulden leben können. Die Finanzwelt hat nur darauf reagiert. Wie immer gab es Gewinner und Verlierer, die nicht zwingend symmetrisch verteilt sind. Bei Monopoly hat am Ende ein Spieler alles, und die restlichen Spieler haben nichts. Zur selben Zeit gelang es der marxistischen „Sozialistischen Internationale“ in Westeuropa mehrere Landesregierungen zu stellen (z.B. Brandt, Kreiksy, Palme) und die strengen Einwanderungsvorschriften ihrer Länder massiv zu lockern. Damit wurde die Saat zur Spaltung der Gesellschaft gepflanzt, die mittlerweile aufgegangen ist. Last but not least gewann die Sozialistische Internationale in den Vereinten Nationen immer mehr an Einfluss, weil die pro-westlichen Diktaturen in der Dritten Welt nach und nach beseitigt wurden und ihre linken Nachfolger ins sozialistische Lager wechselten. Mittlerweile ist der ehemalige Vorsitzende der Sozialistischen Internationale Generalsekretär der Vereinten Nationen. Das alles zusammen führte zu der Entwicklung, an deren Abgrund der Westen heute steht. Diese Diagnose allein reicht jedoch nicht aus, denn auch ein Kurpfuscher kann eine Krankheit bisweilen korrekt diagnostizieren. Es kommt letztlich auf die Therapie an, denn wie immer zählt nur das Ergebnis. „Gut gemeint“ ist der kleine Bruder von Sch**ße.

Eine Heilung gibt es nicht. An dieser Stelle zeigt sich mal wieder, dass Oswald Spengler Recht hatte. Die Kräfte, die stillschweigend kollusiv bewusst oder unbewusst an der Zerstörung der Gesellschaft arbeiten, sind übermächtig. Das ist eine direkte Konsequenz des 2. Weltkriegs, mit dem diese Weltordnung geschaffen wurde. Staaten wie Deutschland und Japan sollte es unmöglich gemacht werden, jemals wieder zur Bedrohung zu werden. Das „System“ erstickt jedoch zugleich auch jeden anderen Versuch, diesen Behemoth aufzuhalten. Die Geister, die man damit auf den Plan rief, wird man nicht mehr los.

Die Deutschen können an alledem schon mal gar nichts ändern. Erstens ist Deutschland so verzwergt, dass es nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Zweitens sind die Deutschen politisch komplett entmachtet. Sie leben in einem Staat aus der Retorte, den die Sieger für sie errichten ließen. Es ist ein Freiluftgehege, in dem eine Demokratiesimulation läuft, in der sie gar nichts zu melden haben, das sie aber bei Nichtgefallen jederzeit verlassen dürfen. Auf das Bürgertum zu hoffen, ist naiv. Das Bürgertum konnte seit 1945 überhaupt nichts bewirken, weder in der DDR noch in der BRD, und das aus „guten Gründen„. Die Bewertung ist beim Nullsummenspiel Frage des Standpunkts: Die verlorene Freiheit des einen, ist die gewonnene Sicherheit des anderen.