Jeder kennt den bayrischen Ortsverein der CDU, die CSU. Deren Abkürzung steht für Christlich-Soziale-Union. Nun ist das mit den Namen so eine Sache, denn dass nicht immer das drin ist, was draufsteht, haben wir spätestens bei Gerhard Schröder und seiner Agenda 2010 gemerkt.

Es stellt sich jedoch die Frage, was steht bei der CSU überhaupt drauf. Was bedeutet eigentlich christlich-sozial? Ist das vielleicht am Ende gar eine Kreuzung aus CDU und SPD? Warum gibt es dir nur in Bayern?

Die letzte Frage ist relativ leicht zu beantworten: Bayern grenzt an Österreich. In Österreich war die Christsoziale Partei lange Zeit an der Regierung, und stellte ab 1933 während des sog. „Austrofaschismus„, der sich an Italien als Vorbild und Schutzmacht orientierte, sogar den Diktator.

Die zweite Frage führt zurück ins 19. Jahrhundert. Damals kam nämlich nicht nur Karl Marx zu der Einsicht, dass es so nicht weitergehen könne, sondern auch – nicht zuletzt als Reaktion auf Marx – Papst Leo XIII. Der stellte im Jahre 1891 mit der Enyklika „Rerum Novarum“ ein Gesellschaftsmodell vor, das die Brutalität des ungezügelten Raubtierkaptialismus abfedern sollte. Dieser Ansatz wurde im Jahre 1931 von Papst Pius XI. – als Reaktion auf Mussolinis Faschismus – in der „Quadragesimo anno“ weiterentwicklelt.

Lange Rede kurzer Sinn, die Kernthesen lauten:

  1. Jeder ist grundsätzlich für sich selbst verantwortlich
  2. Schafft er es nicht, sich selbst zu versorgen, muss die Familie einspringen
  3. Schafft es die Familie auch nicht, muss der Staat einspringen

Subsidiarität, Solidarität und Gemeinwohl sind die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre, die weltweit von allen christdemokratischen Parteien vertreten wird. Damit in Deutschland auch die Protestanten miteinbezogen werden, streben diese Parteien eine „Union“ der beiden Konfessionen an.

An diesen Grundwerten müssen sich CDU und CSU – innenpolitisch und außenpolitisch – messen lassen.

Beispiel: Kinder in Not sind zu ihrer Familie zurückzubringen. Ist die Familie nicht in der Lage die Kinder zu versorgen, ist der Staat zuständig, dem sie angehört. Schafft es dieser Staat auch nicht, so ist die Weltstaatengemeinschaft zuständig, aber niemals die Bundesrepublik Deutschland alleine. So erklärt sich auch rein dogmatisch die Forderung nach einer Verteilung von Flüchtlingen, aber diese Verteilung darf nicht nur auf die EU begrenzt sein.