Dürfen Sie ihr eigenes Leben auf Kosten anderer retten? Sagen wir, Sie schwimmen nach einem Schiffsuntergang im Wasser und sehen eine rettende Planke. Die Planke trägt nur eine Person und sie ist bereits von einem anderen Schiffsbrüchigen besetzt. Dürfen Sie den anderen von der Planke stoßen um selbst zu überleben, oder ist es gar ein Mord aus niedrigen Beweggründen? Manifestiert sich damit nicht ein Egoismus, der über Leichen geht?

Das war auch die Frage, die sich der Philosoph Karneades im alten Griechenland gestellt hat. Er kam zu dem Schluss, dass der Angreifer zwar nicht gerechtfertigt sei, denn seinem Recht auf Leben stehe das gleiche Recht des anderen gegenüber, seine Tat sei jedoch entschuldigt. Kant formulierte in Anlehnung daran den berühmten Satz „Not kennt kein Gebot“. Im Strafrecht liegt der Gedanke dem Entschuldigungsgrund des § 35 StGB zugrunde.

Wenn Sie somit im Spiegel eine solche Schlagzeile lesen, dann wissen sie nun hoffentlich, wie dieser Vorgang sowohl juristisch als auch moralisch einzuordnen ist: Es ist nicht schön, aber es geht letztlich in Ordnung. Natürlich finden Vertreter fremder Interessen dies nicht toll, aber das ist egal.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Sich für andere zu opfern, zeugt von wahrem Heldenmut. Einfordern kann man die Aufopferung jedoch nicht.