Die monotheistischen Religionen haben sich seit Zarathustra den Kampf zwischen Gut und Böse auf die Fahnen geschrieben. Um das Thema plastisch darzustellen, kam man auf die Idee, das Gute durch Gott und das Böse durch den Teufel symbolisieren zu lassen. Wer sich für Gott entscheidet, dem steht eine wundervolle Zukunft bevor, den anderen die ewigen Qualen der Hölle. Was diese wundervolle Zukunft anbetrifft, so wissen wir aus der Medizin, dass sie sich nicht selten menschlicher Kontrolle entzieht, sowohl der des Patienten als auch der irgendwelcher Gesundbeter, Schamanen, Quacksalbern oder Wunderheilern. Deshalb kamen die Priester auf den – zugegeben beeindruckenden – Kunstgriff, die wundervolle Zukunft verbindlich erst nach dem Tod zuzusichern. Das Versprechen vom Leben nach dem Tod im Paradies reichte jedoch nicht aus, um damit zur Staatsreligion zu werden. Es war noch ein zweites Versprechen nötig, das man den Mächtigen seiner Zeit machte. Es war das Versprechen der Kirche, staatstragende Propaganda zu betreiben. Im Jahre 380 beschlossen die drei römischen Kaiser die Religionsfreiheit aufzuheben und das Christenstum zur alleinigen Staatsreligion zu machen. Seither predigen Pfarrer jeden Sonntag von der Kanzel das Gottesgnadentum. Es sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.

Leider kam es seither immer wieder zu Zwischenfällen. In Mailand gab es Stress bezüglich der Frage, wer die Pfarrer einsetzt. In England wollte sich der König scheiden lassen und gründete dazu seine eigene Kirche. In Wittenberg nagelte ein Spalter einen Zettel mit 95 Thesen an die Kirchentür, woraufhin ein beträchtliher Teil der Schäfchen zu dessen Verein abwanderte. Dann behauptete auch noch ein sog. „Universalgelehrter„, die Erde sei eine Kugel und leitete damit das Zeitalter der Aufklärung ein. Die endlose Kette von Problemen der Glaubhaftigkeit gipfelte in der Behauptung eines Ketzers „Gott ist tot„.

Zuletzt blieb der Kirche nichts anderes übrig, als auf dem 2. Vatikanischen Konzil ihren Wahrheitsanspruch aufzugeben. Damit stürzten die Säulen der westeuropäischen Ethik ein, und das gesamte Gedankengebäude schwebte für einen kurzen Zeitraum in der Luft. Neue glaubhafte Ersatznarrativen mussten gefunden werden. Narrativen, die sich nicht so leicht in die Welt der Märchen, der Phantasie und des dummen Geschwätzes verbannen lassen. Es mussten Narrativen sein, mit denen man sich endlich nicht mehr dem Vorwurf des Priesterbetruges aussetzt. Das Ergebnis dieser Suche kennen wir:

  • der neue Ersatzteufel wurde der diabolische Kunstmaler aus Braunau am Inn
  • die neue Ersatzhölle wurde der systematische Massenmord unter seiner Herrschaft
  • das Versprechen vom Leben nach dem Tod wurde ersetzt durch Kinder, denn die sollen es mal besser haben

 
Die neuste Entdeckung auf dem Gebiet der Narrativen ersetzt übrigens die biblische Warnung von der Apokalypse.