Beim Einbruch in das Dresdener „Grüne Gewölbe“ dürfte wohl am meisten überrascht haben, dass das Wachpersonal nicht eingegriffen hat. Dazu findet man eine Erklärung in der Stellungnahme des kaufmännischen Direktors. Gänzlich befriedigend klingt das jedoch nicht.

Zunächst wäre ermittlungstechnisch zu prüfen, ob es sich dabei um ein sog. „Inside-Job“ gehandelt hat, denn die zeitliche Differenz bis zum Eintreffen der Polizei war offenbar lang genug, damit die Tat vollendet werden konnte. Gehen mir mal wohlwollend davon aus, dass sich dieser Ermittlungsansatz nicht erhärten lässt. Wäre das Wachpersonal damit automatisch aus dem Schneider? Nun, das kommt darauf an!

Zwar gibt es bei privaten Wachleuten keine gesetzliche Verpflichtung zur Gefahrtragung, wie sie z.B. für Soldaten in § 6 WStG enthalten ist. Es besteht natürlich auch keine Garantenpflicht aus öffentlich-rechtlicher Pflichtenstellung, wie z.B. bei Polizeibeamten. Aber es besteht selbstverständlich eine Garantenpflicht aus Vertrag. Deshalb kommen wir hier problemlos zu einer möglichen Strafbarkeit wegen Beihilfe durch Unterlassen (§ 13 StGB).

Einzig fraglich ist, ob zivilrechtlich der Einwand der subjektiven Unmöglichkeit gem. § 275 Abs. 3 BGB greift. Eine gravierende Selbstgefährdung oder Selbstschädigung des Wachpersonals ist bei geringer Rettungschance in der Regel unzumutbar. In die Bewertung dürfte einfließen, dass die Wachleute bewaffnet waren. Ich jedenfalls würde von Wachpersonal mit Schusswaffen schon erwarten, dass man hier zumindest mal einen Warnschuss abgibt.

 

Update (07.12.2019): Mittlerweile bestehen auch in der Münchner Pinakothek Befürchtungen um die Sicherheit. Wenn man sich noch nicht mal mehr auf bewaffnetes Sicherheitspersonal verlassen kann, kann ich das durchaus nachvollziehen. Auf der anderen Seite sind Gemälde, im Gegensatz zu Juwelen, nur sehr schwer verwertbar, weil sie als Einzelstücke bekannt sind und man sie nicht umgestalten kann. Das beste Indiz dafür ist, dass sie noch da sind.