Um die Geschichte Adenauers und die Ursprünge der CDU zu verstehen, muss man einen Blick zurück in Kaiserreich werfen. Bismarck versuchte bereits kurz nach der Reichsgründung im sog. „Kulturkampf“ den politischen Einfluss der katholischen Kirche und ihres politischen Arms, der Zentrumspartei, zurückzudrängen. Vertreter der Zentrumspartei wurden daher, wie später auch die Sozialdemokraten, als „Reichsfeinde“ angesehen. Letztlich ist Bismarck mit diesem Unterfangen gescheitert, aber wir behalten diesen Vorgang im Hinterkopf.

Adenauer trat im Jahre 1906 in eben diese Zentrumspartei ein, und wurde in der Folge Oberbürgermeister von Köln. Nach Ende des 1. Weltkriegs setzte er sich dann für Gründung einer Rheinischen Republik, und damit die Abspaltung des Rheinlands vom Deutschen Reich, ein. Dass er bei den Nazis mit solchen pro-französischen Bestrebungen nicht sonderlich beliebt war und 1933 sofort alle politischen Ämter verlor, dürfte niemanden überraschen.

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde Adenauer von den Amerikanern – als ehemaliger politisch Verfolgter – wieder zum Oberbürgermeister von Köln ernannt, doch bereits kurze Zeit später von den Briten entlassen und mit einem politischen Betätigungsverbot belegt. In etwa zur gleichen Zeit wurde mit der CDU eine Nachfolgepartei des Zentrums gegründet, die jedoch diesmal nicht nur die Katholiken, sondern beide großen Konfessionen vertreten sollte, daher auch der Name Union. In diese CDU trat dann auch Adenauer ein, und machte dort bekanntlich eine Blitzkarriere. In der Untion traf er übrigens auch auf Gustav Heinemann, der als Präsens der EKD für die Protestanten zuständig war. Das gute Verhältnis war jedoch recht schnell beendet.

Merke: Die Parteinlandschaft der jungen Bundesrepublik wurde mit CDU und SPD – rein zufällig – von den einzigen beiden politischen Strömungen dominiert, die im Kaiserreich als „Reichsfeinde“ verfolgt wurden. Interessanerweise hat jedoch nur die SPD ihre antideutschen Traditionen bewahrt.

Adenauer stellte dann als Bundeskanzler die Kohle- und Stahlproduktion unter französische Aufsicht, wurde vom Spiegel in der sog. Schmeisser-Affäre als V-Mann der Franzosen kompromittiert, versuchte erfolglos mit der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) eine „internationale Armee“ mit deutschen Truppen unter französischer europäischer Kontrolle zu gründen, schloss die Römischen Verträge, und unterzeichnete im Jahre 1963 den Elysee-Vertrag. Später wurde er als einer der „Gaullisten“ in der CDU bezeichnet. Also das überrascht mich nun auch nicht wirklich.

Wer jetzt an eine mögliche Strafbarkeit denkt, den muss ich enttäuschen. Die einzig in Betracht kommende Norm, war damals § 89 a.F. StGB. Der verwies jedoch auf § 88 a.F. StGB, und dort war in Abs. 1 Satz 2 genau für diesen Fall – vermutlich nicht rein zufällig – eine Ausnahme vorgesehen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Adenauer – trotzdem oder deswegen – die Bundesrepublik Deutschland zu dem Erfolgsmodell gemacht hat, das sie bis mindestens zur Wiedervereinigung war. Die vielen Menschen, die nach seinem Tod von ihm Abschied nahmen, wurden dafür nicht bezahlt.

 

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger auf Youtube

 

P.S.: Ich bin übrigens, was das Zentrum anbetrifft, erblich vorbelastet. Mein Urgroßvater saß für diesen Verein in der Freiburger Stadtversammlung. Mein Großvater hat Franz von Papen gewählt, und meine Mutter hat, seit sie wahlberechtigt war, ihr Kreuzchen bei Adenauers „patentierten Christen“ gemacht.